Missing in Action: Peter Altmaier, Merkels „letzter Trumpf“

Wohin ist eigentlich Merkels Kanzleramtschef Peter Altmaier abgetaucht? Erst gibt es kaum noch eine Quasselrunde im GEZ-TV ohne die dröhnende Präsenz des gewichtigen Flüchtlingsbeauftragten und Krisenmanagers. Und jetzt gleitet er schier ab ins Nirwana. Man bekommt nur noch eine Steilkurve nach unten präsentiert, die wie die Kandahar-Abfahrt aussieht, wenn man seinen Namen als Suchwort bei Google Trends eingibt (siehe Screenshot). Man sieht jetzt NOCH weniger von ihm, als wir von Merkel zu sehen gewohnt sind. Ist das wirklich „Merkels letzter Trumpf?“ Na dann gute Nacht.

Kann das sein, zu Beginn des Wahljahres 2017, in dem Angela Merkel eine vierte Amtszeit sucht und die Migration neben Terror und innerer Sicherheit das entscheidende Thema sein wird? Müsste uns da Altmaier nicht aus allen Morgenmagazinen, DLF-Interviews, Tweets und Talkshows renitent angrinsen? Aber nichts da, der Mann ist schier ein Geist.

Und das ist äußerst komisch. Denn Peter Altmaier ist Merkels Frontmann, Talkshow-Speerspitze, Gesundbeter und – vor allem – oberster Flüchtlingskoordinator.

2017-01-07_1156Doch jetzt sieht und hört man kaum noch etwas von ihm. Schaue ich die falschen Nachrichten?

Oder ist er immer noch so sehr mit dem Kampf gegen die Kilos beschäftigt, weil er in der politischen Schlacht, die Merkel 2017 bevorsteht, wendiger, schneller und geschmeidiger werden will? Dann müsste er sich aber schwer beeilen, denn Merkel läuft im Sauseschritt die Zeit davon. Doch Altmaier ist das schiere Gegenteil von Heiko Maas: Schwer und fast abwesend auf Twitter. Wäre er eine Bedienung im Restaurant, man würde ihn fast dafür loben, dass er wie das genaue Gegenteil von Aufdringlichkeit erscheint.

Altmaier war der erste Top-Politiker, der twitterte. Und der STERN hat uns erst zu Jahresbeginn verraten, dass sich Altmaier eine Scheibe bei Mega-Tweeter Donald Trump abschneiden will. Aber nach einem 140-Zeichen-Dschihad sieht das nicht gerade aus, was wir auf seiner Twitter-Seite finden.

Dort sieht man zwar vom 2. Februar 2014 den bahnbrechenden Tweet: „Twitter ist heute die schärfste Waffe der Demokratie: Wir haben es nur noch nicht bemerkt!“ Doch ansonsten finden wir dort seit Anfang Dezember nur eine handvoll Tweets, und fast alle sind Re-Tweets.

Ein Google-Suchlauf mit seinem Namen im News-Segment fördert auch nicht viel ans Licht. Außer vielleicht, dass ihn (16.12.) „Aleppo zutiefst bedrückt“ , dass Migranten in Deutschland besser integriert seien als gedacht (wer hätte das gedacht) und dass nach dem Terroranschlag auf dem Breitscheidplatz in Berlin rasche Entscheidungen für mehr Sicherheit anstehen.

Das Timing für Abwesenheit könnte schlechter kaum sein. Vor allem, wenn die Auslandspresse gerade „Das Ende von Merkel“ ausruft und ihren Einfluss „zerbröseln“ sieht, weil nationale EU-Regierungen die Geduld mit ihrer sturen Anti-Putin-Linie verlieren. Und das, nachdem sie sich bereits gegen ihre Austeritäts-Politik aufgelehnt haben und – mit dem Schließen der Balkan-Route – die offenen Grenzen nicht mehr mittragen wollen.

Auch weite Teile des Wahlvolks sind Merkel längst abhanden gekommen. Und die Partei ist ihre letzte Bastion. Die bröckelt ebenfalls und kann mit jedem weiteren Anschlag oder jeder niederschmetternden Umfrage auseinander brechen.

Rasche Sicherheit? Ja, bitte! Aber nicht aus Geisterhand, sondern endlich mal zum Greifen. Und sichtbar mehr als heiße Ankündigungen, die sofort wieder verpuffen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *