Manager-Millionen: Dicke Schecks, leere Worte – und peinliche Vergleiche

Flickr Commons, JustCoolTom

Bei VW hat man in der Teppichetage plötzlich entdeckt, dass exzessive Managergehälter den sozialen Frieden stören können. Was die Vorstände künftig monatlich ausgezahlt bekommen, soll gedeckelt werden. Diese Einsicht kommt nach vielen Jahren völliger Ignoranz für die immer weiter klaffenden Einkommensscheren. Und sie kommt wahrscheinlich nur, weil der Konzern im laufenden globalen Shitstorm nach dem Abgasbetrug dringend ein paar Punkte sammeln muss.

Auch die SPD haut jetzt in diese soziale-Gerechtigkeits-Saite, allerdings ohne jede Glaubwürdigkeit. „Millionen Menschen fühlen, dass es in diesem Staat nicht gerecht zugeht“, tönte zwar vor wenigen Tagen Martin Schulz. Doch als vor einer Woche die ehemalige SPD-Ministerin Christine Hohmann-Dennhardt nach nur einem Jahr aus dem Vorstand von VW ausschied und einen Fallschirm von mehr als 12 Millionen Euro umgehängt bekam, hörten wir von den Genossen so gut wie nichts dazu.

Außer Schulz. Der distanzierte sich brav, wenn auch mit auffallender Verspätung: „Leute, die unserer Partei angehören und für 13 Monate zwölf Millionen kriegen, halte ich nicht für gerechtfertigt. Ich sage in aller Klarheit, dass ich damit nur schwer leben kann.“

Andere in der SPD können oder konnten offenbar gut damit leben. Denn die astronomischen Topgehälter bei Volkswagen haben auch SPD-Mitglieder im Aufsichtsrat des Konzerns mit abgesegnet. Niedersachsens SPD-geführte Regierung ist zum Beispiel durch Ministerpräsident Stephan Weil im Aufsichtsrat vertreten – und der hat der dicken Abfindung zugestimmt.

Jetzt prescht die SPD, um überzeugender zu wirken, nach vorne und verlangt, Managergehälter per Gesetz zu deckeln. Aber die Union lehnt das als „Wahlkampf-Gedonner“ ab.

Und weil bei VW sowieso nicht mehr über 10 Millionen an die Vorstände gezahlt wird, bleibt beim Beobachter jetzt am Ende nur ein Eindruck: Das ganze Gelaber ist eine verlogene Vorstellung, die für die Galerie gegeben wird und keine Konsequenzen oder Taten nach sich zieht.

Die Parteien outen sich hier als palavernde Zaungäste. Doch eigentlich sind es ja die Parteien, die bei der politischen Willensbildung – und über die Abgeordneten aus ihren Reihen auch an der Gesetzgebung – mitwirken und damit auch für ernsthafte Vorstöße und deren Realisierung zuständig sind.

In Deutschland sieht man außer dem hier kurz skizzierten Getöse aber nichts.

Und das ist umso erbärmlicher, weil wir im Rest von Europa schon ernst zu nehmende, konkrete Vorstöße in diese Richtung sehen können.

Nehmen wir das Beispiel Großbritannien. Es ist ein willkürliches Beispiel, ja. Aber es zeigt deutlich, dass man durchaus mehr zustande bringen kann, als Zitate in der Zeitung für den nächsten Tag.

Das Beispiel zeigt auch, dass wir hierzulande nicht darauf zu warten brauchen, bis die Parteien endlich in die Gänge kommen. Denn in Großbritannien geht der Protest gegen die exzessiven Managerbezüge von der Kirche und der Fondsbranche aus.

Die Church of England, die über ihr Anlagevermögen in Großbritannien ein wichtiger institutioneller Investor ist, hat jetzt gierigen Vorständen den Kampf angesagt und angedroht, dass sie auf den anstehenden Hauptversammlungen jener Firmen, an denen sie Aktien hält, keine exorbitanten Bezüge mehr tolerieren will.

Das ist ein Warnschuss, der durchaus Kaliber hat, denn mit Wohlfahrtsorganisationen zusammen verwaltet die Church Investors Group, in der sich die Church of England engagiert, 17 Milliarden Pfund. Die Warnung ist an die 350 größten Firmen der Londoner Börse adressiert. Hier wirkt nicht nur der Wink mit dem Scheckbuch, sondern auch die moralische Dimension, die dieser Vorstoß hat.

Aber die Kirche ist mit ihrem Vorstoß auf der Insel nicht allein. Auch der weltweit größte Vermögensverwalter, BlackRock, und der Versicherer Standard Life, haben den Publikumsfirmen signalisiert, dass sie unter verschärfter Beobachtung stehen. Der Vorstoß hat bereits einen ersten Erfolg zu verbuchen. Imperial Brands, der Hersteller der Gauloise und John Player-Zigaretten, nahm eine Erhöhung für seinen CEO Alison Cooper zurück.

Das ist ein kleiner Anfangserfolg, aber einer, der plötzlich ziemlich beeindruckend aussieht, wenn man ihn mit Deutschland vergleicht, wo das Thema es noch nicht über Zeitungszitate und Talkshow-Bemerkungen hinaus geschafft hat.

BlackRock hat den Börsenfirmen nicht weniger als eine HV-Rebellion angedroht und verlangt, dass die Vorstandsgehälter mit denen der übrigen Beschäftigten im Einklang verändert werden müssen. Auch hier hat die Drohung erhebliches Gewicht. Denn BlackRock hält Beteiligungen an sämtlichen Unternehmen im FTSE 100-Index.

Ein Gedanke zu „Manager-Millionen: Dicke Schecks, leere Worte – und peinliche Vergleiche

  • 8. Februar 2017 um 8:37
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    Ich hatte auch einen Beitrag von Herrn Schulz im Netz gefunden, in dem er kritisierte, daß Großkonzerne über perfide Anwaltsfirmen Gewinne und Residenzen ins Ausland verschieben, sodaß sie z.B. nur noch unter 5% Körperschaftssteuer bezahlen – als Beispiel nannte er u.a. DHL – anstatt der üblichen 35%, die jeder Kleinmittelständler zahlt, der redlich und im Land bleibt.
    Diese Aussage schwächte er aber sofort ab, indem er – fatalistisch – sagte, daß man daran ohnehin leider nichts machen (ändern) könne! Und das als leitender EU!-Parlamentarier!!!

    Die sehe ich grundsätzlich anders; wo ein Wille ist, muß auch ein Weg sein und ich kann mir nicht vorstellen, daß die anderen Europäer es lieben, sich von der (internationalen Finanz- und Großkonzerns-) Wirtschaft gängeln und ausnehmen lassen wollen.

    Doch Korruption läuft heute nicht mehr über schwarze Koffer voller Geld, sondern, so wie oben geschildert: Wenn ein Politiker tut, was die Bosse wollen, wird er (oder ein Lebensmensch) mit einem überbezahltem Job bei dem Haufen belohnt, egal, ob er dazu qualifiziert ist. Dieser tätigt dann die Spende an die Partei, sodaß die Firma in der Spenderliste nicht auftaucht …

    Somit ist klar, daß Schulz mit seiner Ansicht vor der Wahl beim Wähler punkten gehen kann, es aber nachher nicht durchsetzt (-en kann), da seine eigene Partei(genossen) auf das Geld nicht verzichten möchte(n)! Und um den Trump zu machen und seinen eigenen Leuten vor den Kopf zu stoßen, dazu hätte er die Courage nicht – und auch nicht die Machtmittel nebst der Mehrheit im Parlament! (Spätestens der / die Koalitionspartner schießen dann quer, da sie „es“ genauso halten.)
    Das erklärt dann auch die – fatalistische – Aussage oben!
    Ist der Filz erst mal dick genug, kommt auch kein Tropfen Wasser durch! – Dann gehts nur mit der dicken Schere!

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