Vancouver adé

GrouseMountain09 243Was, Du bist aus Vancouver wieder zurück nach Deutschland gekommen?

Also jetzt mal ganz ehrlich, wieso meinen wir Deutsche immer, dass es überall außer hier bei uns, besser ist? Gestern meinte so eine aufgeblasene Amerikanerin, dass der Umzug wohl eine riesige Umstellung war. Umgekehrt würde sich eine Amerikanerin nie dabei erwischen lassen zu sagen, dass ihr Land nicht das beste ist.

Natürlich ist ein Umzug immer eine Umstellung, aber das ist er auch wenn ich von Stuttgart nach München umziehe! Wir haben unsere ersten 30 Jahre hier verbracht ( mit Ausnahme 1 Jahr USA) und warum sollen wir dann ausgerechnet hier nicht mehr leben können?

Wir haben in den vielen Jahren im Ausland immer wieder Deutsche erlebt, die meinen sagen zu müssen, dass sie in Deutschland nicht mehr leben könnten. Das war z.B. in Asien so, wo mittelmäßige Deutsche plötzlich Boss von einer Firmenniederlassung waren und dann endlich King spielen konnten. Oder in den USA, wo man noch große Grundstücke billig kaufen und so zuhause prahlen konnte, was man sich alles leisten kann. Dass das Haus aus Pappe war, hat man auf Fotos zum Glück nicht sehen können.

Im übrigen kann ich nach 19 Jahren im Ausland sagen, dass unser Land (zumindest bevor Merkel meinte, es in den Boden rammen zu müssen) eines der besten auf der Welt ist. Woher kommt wohl der krasse Unterschied zwischen dem, was wir glauben meinen zu müssen und der Realität?

Ein Jahr USA und man hält das Sendungsbewusstsein der Amerikaner kaum mehr aus. Die Nationalhymne zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit, in fast jeder Werbung „proud to be American“ und zu behaupten sie sind die einzigen von Gott Gesegneten. Jeder der schon mit Amerikanern zusammengearbeitet hat weiß, wie toll sie sich präsentieren können und wie wenig oft dahinter steckt. Den Kindern wird von Kindesbeinen auf gesagt, wenn sie etwas gut gemacht haben „give yourself a clap“ währen man bei uns immer gesagt hat, „Eigenlob stinkt.“

Vor allem in Asien wird viel lieber mit Deutschen zusammengearbeitet als mit Amerikanern, oder womöglich Franzosen. Wir gehen nicht auf andere zu mit der Haltung „wir sind viel besser als Ihr“.

Aber der wichtigste Punkt, warum viele wieder zurück kommen ist der, dass einem die Familie fehlt und die Menschen von denen man verstanden wird ohne viele Erläuterungen.

Im Ausland zu sein, macht am Anfang Spaß und ist hoch interessant. Am meisten lernt man über sich selbst und sein Land, weil man natürlich alles an dem misst, was man kennt. Der größte Unterschied war in dieser Hinsicht China, weil es unser Wertesystem komplett auf den Kopf gestellt hat.

Wenn so langsam die Jahre ins Land ziehen, dann kommt der Punkt, wo man wieder nachhause will. Das geht vielen Ausländern auf der Welt so, die ausgewandert sind. In Kanada gibt es auch Statistiken über die Einwanderer, die wieder in ihr Land zurückgekehrt sind. Wir haben viele kennengelernt, die zwischen 10-15 Jahren im Ausland waren und dann wieder zurück gekehrt sind.

Vancouver ist landschaftlich wunderschön, aber das reicht auf Dauer nicht.
Während die Chinesen extrem
neugierig sind, geben sich die Westkanadier mit ihrem nächsten Barbeque oder Bootsausflug zufrieden. Interesse an der Weltpolitik oder den Einwanderern ist äußerst gering.

Ich glaube, dass man als Auswanderer nie wirklich woanders zuhause ist. In Vancouver waren wir an Weihnachten immer in der deutschen Kirche und haben mit vielen aus der Generation gesprochen, die in den 50er-Jahren ausgewandert waren.

Wenn man mal sein Geschäft aufgebaut hat und die Kinder verheiratet sind, dann bleibt man natürlich. Eine Dame meinte mal, dass sie den Fehler gemacht hatte, zu lange in Deutschland zu bleiben. Die Fahrradausflüge mit den Verwandten, die Biergärten etc., danach war ihr die Rückkehr sehr schwer gefallen.

Heute steigt man mal fröhlich ins Flugzeug und ist nach ein paar Stunden da. Wie mussten sich frühere Auswanderer gefühlt haben, die wussten, dass sie unter Umständen die Familie nie wiedersehen würden. Das wird bei den tollen Auswanderer-Geschichten von früher nie erwähnt.

 

 

 

 

 

 

 

 

10 Gedanken zu „Vancouver adé

  • 22. Februar 2016 um 23:57
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    Howdy aus Texas, Frau Gärtner,

    hm, aus meiner ganz persönlichen Sicht und Erfahrung teile ich Ihre Einschätzung nicht. Natürlich KANN man in seinem Heimatland wieder leben. Auch würde man sich sicherlich wieder an die Eigenheiten gewöhnen und nach einiger Zeit wieder problemlos „funktionieren“, gar keine Frage.
    Es kommt doch vielmehr darauf an, ob man das möchte und tatsächlich freiwillig diesen Weg zurück gehen mag.
    Nach 10 Jahren USA und der Notwendigkeit, auf Grund meiner Verpflichtungen meiner Firma in Deutschland gegenüber, weiterhin am Leben in Deutschland teilhaben zu müssen, kann ich für mich nur konstatieren: NEIN, ich würde nicht freiwillig wieder in Deutschland leben wollen. Nicht im heutigen Deutschland, aber ich nicht in dem Deutschland, welches ich vor 10 Jahren verlassen habe.
    Die Gründe dafür sind sehr vielschichtig, im Rahmen eines Kommentars nicht wirklich aufzulisten.
    (Kommentare sollten nicht länger sein als der Artikel/Post.)
    Nur noch eines ganz kurz: Mir ist ein Volk lieber, welches die Liebe zum Heimatland übertreibt, als ein Land, in dem man für Patriotismus gesellschaftlich geächtet und unter Umständen sogar um die Existenz gebracht werden kann.

    Liebe Grüße in die alte Heimat
    Tom

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    • 23. Februar 2016 um 8:50
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      Natürlich muss nicht jeder wieder nach Deutschland zurück wollen, zum Teil geht es beruflich auch gar nicht mehr. Aber ich glaube trotzdem, dass jeder der sein Land verlässt, irgendwo im Hinterkopf die Sehnsucht hat, wieder zurück zukehren. Das ist auch für Menschen so, die aus völlig zerbombten Ländern kommen und hat mit Logik nichts zu tun. Viele suchen besonders im Alter den Kontakt zu ihren eigenen Landsleuten, weil man trotz aller guten Sprachkenntnisse es nie ganz zum gleichen Verständnis schafft. Wir werden schon sehr geprägt durch die Art und Weise wie wir aufwachsen. Deswegen glaube ich wird Integration mit der 1. Generation kaum gelingen, das haben wir auch in Vancouver miterlebt. Selbst die Kinder sind noch sehr stark von den Eltern beeinflusst. Als Beispiel fällt mir da u.a. auch ein, dass indische Frauen auch in der 2. Generation häufig nicht den Ehemann aussuchen können.
      Über dieses Thema könnte man wunderbar Nächte lang diskutieren…… Melden Sie sich doch, wenn sie in Deutschland sind. Viele Grüße nach Texas Marie-Claire

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      • 23. Februar 2016 um 19:30
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        Die (emotionale) Bindung an die alte Heimat hängt aus meiner Sicht sehr von den Auswanderungsgründen ab. Wenn ich meine Heimat verlassen muss, weil Krieg und Zerstörung untragbare Lebensumstände herbeigeführt haben ist es tatsächlich etwas völlig anderes als zum Beispiel in unserem Fall. Auch berufliche Angebote, in einem anderen Land zu arbeiten (und deswegen dort zu leben) sind etwas anderes.
        Die Integrationsfähigkeit hängt in jedem Falle auch von der Verankerung von Traditionen und Religion im familiären Verbund ab. Eine wichtige Rolle dabei spielt auch die persönliche Identifikation mit der Gesellschaft in der neuen Heimat.
        Unser Sohn zum Beispiel ist mittlerweile mehr Amerikaner als Deutscher.
        Wir kennen (natürlich) viele Deutsche hier, manche leben seit 40 und mehr Jahren in den USA. Nur ganz wenige plagt die Sehnsucht nach „zu Hause“.
        Ja, es liesse sich sicherlich vortrefflich über dieses Thema diskutieren! Ob das eines Tages möglich sein wird, dies in Deutschland zu tun, wage ich zu bezweifeln. Dazu sind meine Aufenthalte zu kurz und zu terminlastig. Aber ich hatte dem Markus schon mehrfach einen Familienurlaub hier in Texas angepriesen…. 😀

        Lieben Gruss
        Tom

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  • 8. März 2016 um 21:19
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    Hallo und besten Dank für den Bericht, dem ich in vielem zustimmen kann. Ich habe 30 Jahre lang in Australien gelebt und mich hat es trotzdem (oder gerade darum) zurück nach Deutschland gezogen. Es ist auch meine Erfahrung, dass eine wunderschöne Landschaft kein Ersatz für die deutsche Kultur ist. Der schönste Regenwald ersetzt nicht die europäischen Schlösser und Burgen, oder die alten Städte mit den Fachwerkhäusern, oder ganz einfach den Biergarten. Als Aussie hatte mich das Multi-Kulti vor drei Jahren in Deutschland nicht gestört. Ich fand es sogar ganz gut, dass meine australische Frau hier nicht als Fremde von den Einheimischen verstossen wurde. Aber was sich seit September 2015 abspielt, verschlägt mir ganz einfach die Sprache. Ich kann nur noch mit offenem Mund zuschauen, wie ein ganzer Kontinent Selbstmord macht. Ich kann es einfach nicht mehr mit ansehen, wie ein so schönes Land sich selber in den Dreck fährt. In der Schule, die meine Tochter besucht, gibt es praktisch keine deutschen Kinder mehr. Auf der Strasse sehe ich nur noch alte Leute. Die Gruppen von telefonierenden Muslims, die überall rumstehen, machen mir Angst. Deutschland hat einfach keine Zukunft mehr, nicht für mich, und noch weniger für meine Tochter. Deutschland, oder was ich an Deutschland so geschätzt habe, wird es bald nicht mehr geben. Ich habe keine Lust, mitanzusehen, wie der Kölner Dom in eine Mosche umgewandelt wird. Da ist es vielleicht doch besser, am fernen Strand zu liegen oder dem flachen Gequatsche der sportbesessenen Aussies zuzuhören. Nach 3 Jahren Deutschland habe ich mich, mit Tränen in den Augen, dazu durchgerungen, wieder die Sachen zu packen. Hier möchte ich nicht alt werden.

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  • 13. März 2016 um 8:44
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    Ich war vor 20 Jahren 3 Monate in Australien, weil ich auswandern wollte. Ließ es aber aus anderen Gründen sein. Was mir unter Deutschen und Österreichern aber an Heimweh begegnet ist, war schon signifikant.
    Letzlich wanderte ich nach Spanien (Inland) aus und fühlte mich in einem kleinen Dorf als einzige Deutsche sehr wohl und angenommen.
    Nach 10 Jahren kehrte ich aus familiären Gründen zurück und auch weil mir unser Dialekt und die heimatlichen Berge fehlten. Ich bin froh, die Zeit im Ausland gewesen zu sein, seitdem schätze ich das Gefühl, daheim zu sein sehr, was vor meiner Auswanderung nicht so der Fall war.
    Aber angesichts der heutigen Zustände in diesem Deutschland und die sichtbare Talfahrt; damit meine ich nicht den materiellen Aspekt, sondern die verdummende Manipulation der Lügenpresse. Das Erschreckendste ist für mich, dass die Mehrheit der Deutschen – vor allem die jüngere Generation – wie Lemminge in den Abgrund zusteuern, ein Beispiel: Kinderkrippen.
    Wenn es so weitergeht und das wird es, falls es nicht bald gewaltig kracht, überlege ich ernsthaft, wieder auszuwandern, aber nicht mehr ins US-regierte Europa.

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    • 13. März 2016 um 11:15
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      Vielen Dank für Ihren mutigen und offenen Kommentar. Wir können das, was Sie sagen, mehr als nur nachvollziehen. Wenn unser Blog abgeschaltet werden sollte, wird es auch für uns Zeit, wieder zu gehen.

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  • 19. März 2016 um 8:50
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    Hallo, ein schöner Blog! Alles Gute dafür auch meinerseits! Was das Thema „deutsche Auswanderer“ betrifft ist es ja leider oder glücklicherweise, je nach Sichtweise, kein Klischee, daß gerade die deutschen Auswanderergemeinden ihr Umfeld so weit wie möglich deutsch gestalten. Vom heißgeliebten deutschen Brot, Bier und anderen Dingen für das leibliche Wohl bis hin zu Heimatabenden im Kreise deutschstämmiger Auswanderer mit deutschem Kulturangebot. Das Ganze treibt ja bisweilen durchaus skurile Blüten, aber jedem das seine. Das alles ist sicher nicht nur ein Zeichen von Heimatverbundenheit, sondern vielleicht auch von Heimweh. Insofern kommt vielleicht bei vielen Deutschen im Ausland die bekannte romantische und melancholische Ader genauso durch, wie zum Thema Auswandern das Fernweh vieler Deutsche hier im Lande.

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  • 31. März 2016 um 10:39
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    Vielen Dank für den tollen Artikel un die Kommentare. Wir (Familie mit 3 Kindern) haben uns bei unseren Urlaubsreisen (USA, Kanada, Europa, etc.) auch immer überlegt, ob wir in das jeweilige Land auswandern würden. Aber selbst heute (31.3.16) mit dem rasanten Niedergang überwiegen die Nachteile für uns immer noch. Im Prinzip ist ja offensichtlich, dass schlimme Dinge auf uns zurollen, aber wir hoffen, diese hier doch besser zu überstehen als im Ausland, wo wir niemand kennen, keine Verbindungen haben, die Sprache nicht perfekt beherrschen und uns nur auf unser Geld verlassen könnten. Das ist uns, auch wenn wir davon genug hätten, doch zu wenig.

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  • 22. Januar 2017 um 10:32
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    Danke für diesen Blog, über den ich heute „gestolpert“ bin.
    Als „älterer, weißer Mann“ mit einer ausländischen Ehefrau und 2 Mädels hatten wir schon länger im Hinterkopf, in die Heimat meiner Frau nach Thailand auszuwandern. Es ist für uns eine besondere Situation: Wir haben dort eine Immobilie, Arbeit und vor allem „Familienanschluss“. In unserer Familie dominieren Eigenschaften wie Bildung, Fleiss und Familiensinn. Die Kultur konnte ich auf 15 Urlaubsreisen schon „erschnuppern“. Kurz bevor unsere Pläne konkret wurden, beschleunigte Merkel 2015 die Demontage Deutschlands. Damit wurde unser Projekt „unumkehrbar“. Einerseits tut es mir sehr weh anzusehen, wie meine Heimat gegen die Wand gefahren wird, andererseits „erleichtert es mir den Abschied Ende dieses Jahres. Dann können wir die Zukunft unserer Kinder hoffentlich wieder positiv beeinflussen.
    Schmunzeln musste ich, als meine Frau Ende 2015 naiv fragte: „Warum putscht Eure Armee die Merkel nicht weg?“ Ich antwortete: „Weil in Deutschland traditionell erst kurz vor dem Zusammenbruch (erfolglos) geputscht wird.“
    Ich freue mich auf den Umzug!

    Antwort
  • 26. Januar 2017 um 19:57
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    Schön das es wieder einen GärtnerBlog gibt der gehegt und gepflegt wird..

    leider erst jetzt entdeckt…

    Antwort

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