Geplant, gebildet, geschützt und gewieft – Wie sich Eliten an der Macht halten

Nach unserem Blogeintrag gestern über die Eliten, die sich in Ländern wie Großbritannien, Italien
und China seit hunderten von Jahren an der Spitze der Leiter halten, kam die Frage auf, warum das so ist. Tom hat in einem Kommentar diese Diskussion angestoßen. Sie ist wichtig. Denn sie kann uns Aufschluss darüber geben, wie wir bei wachsender sozialer Ungleichheit, Kriegstreiberei, Flüchtlingsströmen und anhaltender Geldentwertung in Europa die politische Kaste und das große Geld von der völligen Zerstörung unserer Gesellschaften abhalten können.

Ich fürchte, die Antworten auf die Frage nach dem Beharrungsvermögen von sozialen Ordnungen, insbesondere die Fähigkeit der 1%, sich an der Spitze der Einkommens-, Bildungs- und Vermögensskala zu halten – ungeachtet von Kriegen, Umstürzen, Revolutionen und blutigen politischen Kampagnen wie in China unter Mao – machen uns wenig Mut.

Gier und Skrupellosigkeit sind zwar ein starker Antreiber für die Eliten, aber bei weitem nicht die einzige Antwort auf unsere Frage. Hier ein Versuch, weitere Antworten zu geben, ohne Anspruch auf Vollständigkeit natürlich.

Eliten organisieren und verteidigen die bestehenden Machtverhältnisse. Wenn sich etwas ändert, dann, weil sie es so wollen. Das bedeutet aber auch: Sie wissen beizeiten Bescheid, wenn sich etwas gravierend verändert und können früher handeln als alle anderen 99%.

Eliten haben seit jeher einen großen Teil ihres Vermögens in Immobilien angelegt. Die sind – auch wenn sie im Extremfall enteignet werden können – in der Regel besser vor Zerstörung geschützt, als die meisten anderen Anlageklassen.

Eliten können das nicht in Immobilien angelegte Vermögen dank ihrer Netzwerke oder Vermögensberater leicht ins Ausland transferieren und vor dem Zugriff der nationalen Regierung oder Herrscher in Sicherheit bringen. Eine Geldvernichtung findet hier nicht – zumindest selten – statt. Reiche legen auch Geld in produktiven Anlagen an.

Hinzu kommt: In unteren Schichten wird mehr Geld für nutzloses Zeug und Statusprodukte ausgegeben. Die Unterschicht verprasst das Geld. Sie verbraucht ihr Einkommen und investiert es nicht (so sehr). Bildungsferne Schichten haben weniger Erfahrung damit, wie man mit Geld umgeht. In reichen Familien ist das genaue Gegenteil der Fall.

Eliten bilden engmaschige Zirkel, Seilschaften und Netzwerke, die sich über die wichtigen Sphären der
Gesellschaft hinweg erstrecken: Politik, Militär, Beamtenschaft, Wirtschaft etc. Hier hilft man sich gegenseitig, Macht zu erhalten, indem man sich Zugang für Mitglieder der Familie zu wichtigen Institutionen verschafft. Bis heute wird das nicht selten mit Hochzeiten arrangiert.

Bildung ist einer der wichtigsten Hebel. Sie privilegiert durch hohe Zugangsschranken oder Gebühren die Teilnahme, schließt also breite Bevölkerungsschichten weitgehend aus. Selbst milliardenschwere Bildungsprogramme in europäischen Ländern können daran seit Jahrzehnten nicht viel ändern. Französische und britische Elite-Schulen und –UNIs haben bis heute ein Monopol darauf, den Nachwuchs für Spitzenpositionen in Staat und Wirtschaft zu „produzieren.“

Eliten haben zudem „altes Wissen“, das nicht nur Macht ist, sondern auch besser weitergegeben wird, als in sozial schwachen und armen Familien. Dort glotzen, wenn man heutige Verhältnisse zugrunde legt, Mama und Papa irgendwelche Talent-, Soap-, oder Titten-Shows und verblöden dabei, während in der Elite durch Erziehung und Familienverfassungen oder –traditionen Wissen systematisch weitergegeben wird. Förderung von Wissenschaft und Künsten helfen dabei. Teurer Privatunterricht auch. Von vornherein ist in reichen Familien für jeden Sprössling tendenziell ein bestimmter Weg vorgegeben. Die geplanten Karrieren werden von Geburt an vorbereitet, finanziert und arrangiert.

 

2 thoughts on “Geplant, gebildet, geschützt und gewieft – Wie sich Eliten an der Macht halten

  • 1. Juni 2016 at 15:01
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    Ich bin fest davon überzeugt, dass man zwischen Eliten und Pseudo-Eliten unterscheiden muss. Nicht alle, die quantitativ bei den 1% erfasst sind, gehören tatsächlich zu den wahren Drahtziehern. Bei genauerem Hinsehen stellt man fest, dass viele davon nur Handlanger der wirklichen Drahtzieher sind.
    Wer mir heute erzählt, dass Forbes tatsächlich die reichsten Menschen dieser Welt aufzählt, lässt sich genauso verarschen, wie die Unterschicht beim Titten-Fernsehen.
    Ich bin mir durchaus bewusst, dass es nach Verschwörungstheorie klingt, was ich hier sage. Dennoch bin ich überzeugt davon, dass man bei genauerem Hinschauen bemerkt, dass es sich bei den öffentlich agierenden „Eliten“ nicht um die 1.Riege handelt.
    Ein entscheidender Marker dieser Erkenntnis ist für mich die Gründungsgeschichte der Federal Reserve, welche seither versucht, ihr Spinnennetz über die ganze Welt zu legen. Noch ein Jeder, der versucht hat, sich diesem Netz zu entziehen, wurde dafür fürchterlich bestraft und in die Schranken gewiesen.
    Ein schöner Artikel neulich bei Kopp mit dem Titel: „Die Rückeroberung Südamerikas – USA ergreift strategische Massnahmen“ gibt einen kleinen Einblick darüber.
    Man sollte sich auch mal die Mühe machen, über Schultze-Rhonhof hinaus, ideologiefrei die Vorgeschichte des WW II zu betrachten und diese in Zusammenhang mit dem Resultat desselbigen zu setzen. Da tritt schier Erstaunliches zu Tage. Weitere Ausführungen dazu erspare ich mir an dieser Stelle, das würde den Rahmen eines Kommentars zu einem Blogeintrag sprengen.
    Nein Markus, ich denke, was Du da beschreibst, betrifft nicht wie wirklichen Strippenzieher, sondern deren erste Ausführungsebene. Die Macher des ganzen Szenarios kontrollieren die Geldschöpfung und züchten sich ihre Machterhaltungssoldaten an den Unis und in den Parteien heran, korrumpieren diese mit Pseudo-Macht und ein wenig Luxus. Einzig die Abkehr vom derzeitigen Geldsystem könnte diese Macht brechen.

    So, dass soll als Anfang erstmal reichen.

    Gruss
    Tom

    Reply
  • 3. Juni 2016 at 9:29
    Permalink

    Hallo,
    Die 1%tigen – Eliten, Tom hat ja schon angedeutet, dass es auch dort noch Klassen gibt. Der Artikel ist aus meiner Sicht so weit in Ordnung, das einzige was dabei auffällt, dass man sinngemäss jetzt öfter in dieses Horn stösst.

    Eines ist klar, die derzeitigen Gesellschaftsformen stossen an ihre Grenzen, die dazu gehörenden Finanzsysteme ebenso wie die im Westen aufgebauten Sozialsysteme. Da wird es in naher Zukunft sehr grosse Veränderungen geben. Es wird natürlich im Vorfeld versucht, Verantwortliche für das kommende Desaster zu finden. Ehrlich gesagt, bereitet mir dieses Szenario keine schlaflosen Nächte. Was mich viel mehr beschäftigt, ist etwas das niemand auf dem aktuellen Schirm hat – besonders nicht diejenigen, die es treffen wird.

    Es gibt zu dem Thema das ich jetzt anspreche sogar einen Artikel in der FAZ http://www.faz.net/aktuell/wissen/forschung-politik-1/kuenstliche-intelligenz-endspiel-fuer-das-mooresche-gesetz-14121094.html — Die FAZ im Gegensatz zur begrüssten Schwemme von Raketenforschern und Hochqualifizierten sieht beim Mooreschen Gesetz allerdings schon das Endspiel laufen. (das ist jetzt aber mit Sicherheit ein Zufall 🙂 ).

    Ich sehe das nicht so, dieser Trend ist ungebrochen, der als Faustformel folgendes nennt: Die Komplexität der elektronischen Schaltkreise und der dazu gehörenden Software verdoppelt sich rund alle 2 Jahre. Ob die nächste Stufe dann z.B Quantencomputer sind ist eine nachranige Frage.

    Hier das Werbevideo der 1%tigen wie sie sich die Zukunft vorstellen https://www.youtube.com/watch?v=IlUPNUwbuyE — und die Optimisten darunter erwarten das innerhalb der kommenden 10 Jahre.

    Das Ganze kann aber auch ganz anders laufen, diesem Aspekt neige ich eher zu. Wenn der Tag X gekommen ist und die Künstliche Intelligenz – KI den Zustand erreicht hat, dass sie Prozesse beherrscht, die dem menschlichen Denken gleichwertig sind oder dieses noch übertreffen, wird sich zeigen wer der Chef im Hause ist (auf diesem Planeten)

    Hier habe ich eine Buchempfehlung eines Autors der das im Grunde positiv beschreibt https://www.amazon.de/Sch%C3%B6pfung-au%C3%9Fer-Kontrolle-Technik-benutzt-ebook/dp/B004TTN2RQ/ref=sr_1_31?s=books&ie=UTF8&qid=1464942314&sr=1-31&keywords=karl+olsberg — der Titel zeigt aber das Problem schon auf – Schöpfung außer Kontrolle: Wie die Technik uns benutzt –

    In dem Buch wird sehr gut beschrieben, dass Evolution nicht zwingend an Formen des Menschseins gebunden ist, es ist gut möglich, dass die Menschheit nur der Steigbügelhalter für die nächste Stufe einer Entwicklung ist. Die meisten der 1%tigen könnten mit Hilfe des Transhumanismus auf diesen Zug aufspringen, zumindest einigermassen den Anschluss halten (sie haben das nötige Kleingeld) und die anderen 99% werden im besten Falle einfach sich selbst überlassen – die Biologie regelt dann den Rest.

    Es könnte aber auch anders kommen, denn ob die KI Rücksicht auf ihre Erschaffer nehmen wird, kann heute niemand mit Bestimmheit sagen. Schaut man sich an wie der Mensch mit seinem Werkzeug oder seinen Nahrungsquellen (z.B Tierhaltung) umspringt, dürfen wir keine grosse Rücksichtnahme erwarten.

    Liege ich mit meiner Vermutung richtig, sind die weltweiten Krisenspiele ein einziges Bühnenstück, ebenso inszeniert wie 9/11 – aber um einige Stufen komlexer und es kommt noch besser, wir sitzen nicht in der 1. Reihe wir sind alle Hauptdarsteller. Vielleicht ergeht es uns wie den ersten Christen in Rom, wie sie werden wir im Colusseum gegen die Löwen und Tiger antreten und die neuen Herrscher schauen einfach nur zu.
    Gruss

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