FOCUS und die Zersetzung der Demokratie

Flickr Commons, darkday

Unsere lieben Leitmedien wollen es ja bis heute nicht wahrhaben, dass sie an der Flucht ihres Publikums im Wesentlichen selbst die Schuld tragen. Wer heute bei FOCUS Online reinschaut, bekommt auf einen einzigen Blick einen Eindruck davon geliefert, warum immer mehr Menschen die Schnauze voll haben von unschlüssiger, verdrehter, widersprüchlicher und abstoßender, volkspädagogischer „Berichterstattung.“

Das Blatt fragt an einer Stelle offen – und sicher auch zurecht: „Kann SPD-Kandidat Martin Schulz auch Bundeskanzler?“ Im Text wird dann unumwunden gerätselt, wie lange der „Schulz-Hype“ noch anhält.

Aber nicht nur der SPD-Top-Kandidat für die Wahl im September wird infrage gestellt, auch die Eignung Merkels wird ernsthaft bezweifelt, und das schon länger. Nicht, dass das keinen Sinn machen würde, aber wir kommen gleich zu dem eigentlichen Punkt, um den es mir geht.

Merkel wurde vom FOCUS in jüngeren Ausgaben mal ein „narzisstisches Problem“ attestiert, das „gefährlich für Deutschland“ sei; dann wurde gefragt, ob sie „die Lage wieder in den Griff“ bekommt; schließlich dokumentiert FOCUS „Hasskommentare“, die „User“ der eigenen Facebookseite geschrieben haben, nachdem Merkel ihre Kandidatur für eine 4. Amtszeit ankündigte. Der Gesamteindruck von FOCUS: „Ein schockierendes Bild von der Stimmung in Teilen der Gesellschaft.“

Da sind also die beiden derzeit aussichtsreichsten Kandidaten ehemaliger, aber inhaltlich und mit Blick auf Glaubwürdigkeit und Zukunftschancen beinahe bis zur Unkenntlich abgenagter Volksparteien, und sie werden in einem Spektrum von fragwürdigem Kandidatenmaterial über narzisstisch bis hin zu einer Gefahr für das eigene Land beschrieben und dem staunenden Publikum vermittelt.

Und dann, hier kommen wir zu meinem Punkt, lesen wir am Freitag über die Proteste von „Tausenden“ in Münster gegen den Neujahrsempfang der AfD. Dort wurden Europafahnen gehisst und von Geschäftsleuten die Lichter ausgemacht. OK, kann man alles machen.

Und dann beklagt sich das Magazin: „In Münster gehen die Lichter aus, in Köln machen die Karnevalisten mobil. Veranstaltungen der AfD treffen auf Proteste aller Art. Doch die Hallen und Säle für die Parteitage und Empfänge bleiben der Partei nicht verwehrt.“

Wirklich: Es gibt viele Angriffspunkte, die die AfD liefert. Man muss sich mit ihr kritisch auseinandersetzen, sie packen und in einem politischen Wettkampf der Argumente schütteln.

Aber hier lesen wir geradezu eine Aufforderung, der demokratisch legitimierten Partei Versammlungsorte zu verwehren.

Das ist genau jenes Verhalten, das sich aus einer Mischung aus Intoleranz, Überheblichkeit und der Bereitschaft, demokratische Spielregeln und Gesetze für die eigene Position und die eigenen Ziele aufzugeben, speist, und bereit ist, diese mit Stiefeln in den Boden zu treten. Und das alles vor den Augen und Ohren eines Publikums, dem man getrost seine eigene Meinungsbildung überlassen sollte, anstatt ihm jeden Tag aufs Neue einhämmern zu wollen, was es zu denken, zu tun und zu lassen hat.

Niemand in diesem Land will beim Denken betreut, beim Sprechen bereinigt und beim Lesen bevormundet werden. Doch solange dieses miese erzieherische Gehabe im deutschen Blätterwald anhält, wird nicht nur die AfD stärker werden, sondern auch die Leserschaft in Scharen vor den „Qualitätsmedien“ fliehen.

Schlimmer noch: Wer Forderungen wie FOCUS – und viele andere Publikationen in Deutschland – erhebt, die Rechte und Möglichkeiten anderer einzuschränken, bloß weil sie es wagen, anderer Meinung zu sein, der liefert genau dem Vorschub, was wir seit Monaten beobachten können: Die Bereitwilligkeit, anders Denkende nicht nur zu zensieren, sondern sie auch zu ruinieren und ihnen bei Bedarf ans Leder zu gehen.

Die damit einhergehende Zersetzung der Demokratie wird natürlich stets der anderen Seite angelastet.

 

3 Gedanken zu „FOCUS und die Zersetzung der Demokratie

  • 11. Februar 2017 um 9:24
    Permalink

    Ich lese schon seit mindestens 2 Jahren keine Mainstreammedien mehr, und Deutsches TV schonmal gar nicht.
    Habe mir eine breit gefächerte Gruppe rechtskonservativer Seiten als Startseite gebaut, eigentlich alle wichtigen und habe auch kein Problem mit der Epoch Times, Sputnik und RT, dann kommen Achgut, Henryk M. Broder, PI, Metropolico, Gatestone uvm…es gibt viele interessante und gute..und halt der News Dienst des Kopp Verlages der mich dann ab und wann ich die Hofberichterstatterpresse hineinschauen lässt, Man sollte ja über diesen Zirkus im Bilde sein.
    Focus habe ich mir unter all diesen unerträglichen Müllmedien mal herausgesucht um ihn konsequent, aber nicht empiristisch auf Tendenziöse Berichterstattung, Stimmungsmache usw, zu untersuchen..

    Es ist mittlerweile bekannt das der Focus mit dem BND ins Bett geht und neuerdings vom Lügenverlag Bild+ wegen abschreibens verklagt wird..
    Gemerkt habe ich das schon lange vor der Klage, weil Focus sich freimütig auf die Bild bezieht, klickt man auf den Link kommt kostenpflichtiger +Inhalt….
    Also die Bildrestmüllverwertung Focus ist auf ein unerträgliches eher nur rudimentär vorhandenes Niveau gesunken:
    Es vergeht kein einziger Tag wo kein kräftiges Putin/Trump/AFD bashing passiert, und sei es noch die allerunwichtigste Meldung, sie wird mit allen Tricks hochstilisiert und kräftig geflamet, geheult und gebasht..
    Das ist eher Mobbing in Reinkultur und hat mit Journalismus NICHTS mehr zu tun..
    Unerträglich sind solche Schmierer wie eine „Fietz“: „Merkel, wie brauchen sie jetzt mehr denn je“ anfängt loszuheulen…
    Kisslers Konter ist ein genauso wie sein Foto:
    Ein mickriges bebrilltes blasses Schreiberlein mit Boxhandschuhen?
    Unglaubwürdig wie sein Konterfei.
    Wer sich sowas ausdenkt ist weltfremd.
    Täglicher Umerziehungsgutmenschen Jornualismus der durch weglassen, weglassen, weglassen glänzt..
    Alle schreiben über das Telefonat Trumps mit Putin, nur der Focus, der macht auf Merkel…widerlich verlogene Berichterstattung durch weglassen, um nur ein kleines Beispiel zu nennen…

    Das der Focus ebenso hauptsächlich die ungebildetete Unterschicht durch Trash, Promimüll und vielen vollkommen UNWICHTIGEN Dschungelbuch Neuigkeiten versorgt sei am Rande erwähnt und mit dümmlichen Mags wie Netmoms, (nicht mit den Netzfrauen verwechseln, das ist eine ganz andere Liga), Amica und der vollkommen linksdurchgeknallten HuffPost – hoffentlich verschwindet die bald vom deutschen Markt – versucht seine Journalistische Müllhalde abzurunden macht ihn nur noch schlechter…Experiment gestern beendet und mit angewidertem Klick aus dem Feedreader ins Nirwana befördert.

    Erwähnenswert sei das die Leserschaft, sowas haben die da, doch mit HELLBLAUEN Wattebäuschen kollektiv auf die Schmierfinken werfen…und dabei viel Zustimmung generieren…
    Also sie merken das sie verarscht werden, sind aber nicht intelligent genug um dieser Schmierenpostille den Rücken zuzukehren?
    Merkwürdige Klientel haben die…mangelnde Lebenserfahrung oder fehlender Durchblick? vermutlich beides…Zahnlose Krieger…

    Und dem Spiegel wünsche ich einen langsamen, schmerzhaften Tod.
    Fakten, Fakten, Fakten….nee…war der Markwort…

    Antwort
  • 11. Februar 2017 um 10:34
    Permalink

    Genau auf den Punkt.

    Wäre vielleicht mal eine Überlegung wert zusammenzufassen, was eine Demokratie erfordert, Herr Gärtner. Ich versuche es mal.

    Sie erfordert Demokraten. Das bereits haben wir nicht.
    Es existiert keine gesellschaftliche Kenntnis darüber, was eine Demokratie ausmacht.
    Allgemeine Akzeptanz der Tatsache, daß niemand alles wissen kann. (Wissen meint hier Naturwissenschaft)
    Allgemeine Akzeptanz der Tatsache daß wir Menschen hauptsächlich bewertend tätig sind, und Wertung, Bewertung nichts mit Wissen zu tun hat.
    Unsere aus Wertung herrührenden Irrtümer halten wir jedoch für Wissen. Das wir anderen dann vorhalten.
    Andere, das sind alle Anderen. Die ihrerseits die Behauptung eigenen Wissens nicht hinterfragen.
    Wer sich darüber nicht im Klaren ist, kann kein Demokrat sein, weil er sich über die Begrenztheit der eigenen Meinung keine Rechenschaft ablegt und damit der anderen Meinung nicht dieselbe Bedeutung einräumt, die er für seine eigene Meinung reklamiert.

    Die Leute wissen nicht, und schon garnicht akzeptieren sie, daß die Meinung des anderen einen genauso hohen Stellenwert haben muß wie die eigene. Ohne die durch eigene Überzeugung erfolgende Hinnahme dieser Grundvoraussetzung kann jemand kein demokratisches Verständnis entwickeln, mithin weder Demokratie einfordern noch selber ausüben.

    Praktisch niemand in unserer Gesellschaft hat diese Überlegungen angestellt, noch gar unterworfen.

    Ein katastrophales Versagen unserer Bildungspolitik, ein erschütternde Erkenntnis hinsichtlich dem Wirken unserer politischen und meinungsbildenden Eliten.

    Erst wenn ein demokratisches Bewußtsein in einer Gesellschaft vorhanden ist, also jene dieses Bewußtsein tragenden Demokraten kann man darauf hoffen, auf eine demokratische Gesellschaft zu blicken.

    Diese zeichnet sich dadurch aus, daß sie gesellschaftliche Macht unblutig durch Wahlen für einen begrenzten Zeitraum delegieren kann zwischen voneinander unterscheidbaren Werte-Orientierungen.

    Politische Parteien sollten als Organisation von untereinander abgrenzbarer Werte-Orientierung dienen. Links oder Rechts, Sozial oder Konservativ was auch immer, und so weiter.
    Unterscheiden diese sich nicht, dann wird die Wahlnotwendigkeit untergraben, der Sinn von Wahlen ausgehebelt, die friedliche, unblutige Delegation von Macht wird verhindert.
    Demokratie wird zur Fassade einer dahinter verborgenen Täuschung.
    Genau dazu haben sich unsere politischen Parteien untereinander verständigt. Gesellschaftlich wichtige Veränderungen wurden udn werden nicht zur Wahl gestellt, wie z.B. die Überstülpung eines Europa über die BRD, Euro- Währung, Abgabe der Hoheit über unser Geld, Öffnung der Grenzen am Grundgesetz vorbei usw usf.

    das alles ist nur möglich, wenn die Parteien sind die Macht untereinander teilen, und in der Bevölkerung das Bewußtsein für Demokratie, mithin in der gesamten Bevölkerung keine Demokraten existieren.

    Wir sind am Ende verdammt dazu, die sich ergebenden Konsequenzen hinzunehmen, wir können unser Schicksal durch demokratische Wahl nicht mehr beeinflussen. Demokratie, das ist ein langsamer, mühevoller Weg, begleitet von kollektiven Irrtümern, aber immer mit der Option einer Korrektur versehen. Diese Möglichkeit ist durchaus absichtsvoll und strategisch geplant – alternativlos – drangegeben worden durch Feinde der Demokratie, durchaus mit dem Ziel, den gesamten Globus sozialistisch zu ideologisieren.
    Wer dazu noch Beweise benötigt, dem wäre inzwischen wohl kaum noch zu helfen.

    Antwort
  • 11. Februar 2017 um 11:33
    Permalink

    „Niemand in diesem Land will beim Denken betreut, beim Sprechen bereinigt und beim Lesen bevormundet werden“ Dieses Zitat Ihrerseits ist überragend. Ich hoffe, dass dieser Satz noch öffter vor der nächsten Bundestagswahl zitiert wird.
    Wobei ich fürchte, dass genau das aber auf viel zu viele Wahlberechtigte in diesem Land zutrifft….

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.