Die Mär von der Obamacare – Bilanz eines betrügerischen Politikversprechens

Gastbeitrag von Tom Schiller

40 Millionen Amerikaner seien nicht krankenversichert hiess es. Das müsse dringend geändert werden, hiess es weiter. Obama würde dieses „Problem“ lösen, so wurde gejubelt. Deutsche Politiker aus allen Lagern jubelten dem ersten „schwarzen“ US- Präsidenten dafür zu, hoben ihn in den Himmel, hinauf auf den Thron eines Heilsbringers.

 

In all den Jahren hab ich nirgends, absolut nirgends etwas lesen können, was den Mythos „Obamacare“
beleuchtet. Die Gespräche mit Besuchern hier bei mir in Texas zeigen mir deutlich, dass so ziemlich jeder völlig falsche Vorstellungen davon hat, wie die Gesundheitsversorgung hier in den USA funktioniert.
Schon seit längerem drängt es mich, endlich einmal mit all den falschen Vorstellungen und Mythen aufzuräumen. Vielen Dank, Familie Gärtner, dass Ihr mir auf Eurem Blog die Gelegenheit dazu gebt. Rund 40 Millionen Amerikaner haben keine Krankenversicherung. Dies war der Stand, bevor Präsident Obama sein Gesetz zur Pflichtversicherung durchboxte. Was hat sich seither geändert? Kurze Antwort: NICHTS und VIEL.

NICHTS hat sich geändert, weil in dieser Minute, während ich diese Zeilen schreibe, 40.829.536 Amerikaner keine Krankenversicherung haben. (Quelle: usdebtclock.org)

 

VIEL hat sich geändert, weil diese 40 Millionen Amerikaner ohne Versicherung 50% des Versicherungsbeitrages als Strafsteuer von ihrem ohnehin schmalen Einkommen bezahlen müssen.
Hier ein Beispiel aus der Praxis: Eine Angestellte von uns verdient in Teilzeit ca $1.000/Monat netto. Mit diesem Betrag kam sie auf Grund der niedrigen Lebenshaltungskosten hier in Texas ganz gut aus. Nach dem Gesetz zur Pflichtversicherung bekam sie eine KV mit einem Beitrag von $196,00/Monat angeboten, $7.000 Selbstbeteiligung/Jahr inclusive.

 

Natürlich konnte sie den Monatsbeitrag nicht aufbringen.

 

Stattdessen muss sie nun $ 96/Monat Strafsteuer abführen. Diese knapp 100 Dollar fehlen in ihrer Geldbörse. Konnte sie früher eventuelle Arztbesuche (zwischen $ 50 und $ 65, je nach Arzt) noch stemmen, geht das heute kaum noch. Sie muss regelrecht darauf sparen, zum Arzt gehen zu können. Und natürlich fehlen die $ 100/Monat auch für andere Dinge. Man muss nur überschlägig ausrechnen, wieviel Geld der US-Wirtschaft durch die Erhebung der Strafsteuer verloren geht. Bislang haben auch Nichtversicherte eine ordentliche medizinische Behandlung erhalten. Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus sogar auf weit höherem Niveau, als sie in Deutschland der Kassenpatient erfährt. Hier mein Erfahrungsbericht: Vor knapp 2 Jahren erlitt ich einen Herzinfarkt. Auf Grund meiner medizinischen Vorkenntnisse konnte ich die Symptome einordnen und rief den Rettungsdienst. Schon hier beginnt der Unterschied zu Deutschland: Niemand fragt am Notruftelefon, ob und wo der Patient versichert ist.

 

Bei Ankunft im Krankenhaus (ca 20 min. nach Anruf bei 911) war schon alles für die Herzkatheter-
Untersuchung und das setzen eines Stents vorbereitet. Meine Frau, die im Wartebereich sass, wurde derweil ständig über den Stand der Dinge informiert und nach der OP sofort zu mir gebracht. Bis dahin hatte sich immer noch niemand für die Übernahme der Behandlungskosten interessiert. Eine solche Fragestellung kam während meines ganzen Klinikaufenthaltes NICHT auf.

Eine Sozialarbeiterin besuchte mich mehrfach am Krankenbett und erklärte mir, dass sie nach meiner Entlassung weiterhin für mich da sei, um alles weitere zu bewältigen. Dieses Versprechen wurde auch eingelöst. Sie brachte mich zu einer speziellen Klinik, wo die Nachbehandlung kostenlos erfolgte und ich die Medikamente ebenfalls zum Nulltarif bekam. Diesen Service hätte ich seither weiter nutzen können, habe es aber aus Bequemlichkeit nicht getan, denn die Hin-und Rückfahrt würde mich jedesmal mehr als eine Stunde kosten.

 

Dazu kommen natürlich lange Wartezeiten. Im Gegensatz dazu kosten mich der halbjährliche Arztbesuch $ 50 (Kardiologe) und meine Medikamente $ 23 pro Monat. Das ist weniger, als was meine Mutter in Deutschland für ihre Tabletten zuzahlen muss!

Die Krankenhausrechnung flatterte natürlich auch in den Briefkasten. Kosten für Versicherte: $ 55.000 Kosten mit Rabatt für Nichtversicherte: $ 4.750 – „Betrag verhandelbar, Betrag in Raten zahlbar.“ Die Sozialarbeiterin riet mir, entweder eine Behörde aufzusuchen, die einen Zahlungsplan mit mir vereinbart, oder die Zahlstelle des Krankenhauses anzurufen. Ich tat letzteres. Die Dame am Telefon sagte mir, dass ich gerne monatliche Raten vereinbaren könne. Ich fragte, wie hoch der minimale monatliche Betrag wäre. Ihre Antwort lautete: $ 20,00.

 

Ich war einigermassen geschockt angesichts dieser Antwort. Sie fasste mein zögern wohl falsch auf und meinte: „Hm, wenn Sie das Geld nicht haben, dann reichen Sie als Nachweis Ihre Steuererklärung vom letzten Jahr und aktuelle Kontoauszüge ein, Fügen sie Nachweise über anderweitige Zahlungsverpflichtungen an. Wenn Sie nicht genug Geld und Einkommen haben, schreiben wir die Rechnung einfach ab.“

RUMMMS!

 

Sowas hatte ich nun wirklich nicht erwartet! Aber SO ist es hier in den USA! Meine persönliche Erfahrung deckt sich mit den Aussagen der Sozialarbeiterin ebenso wie mit den Berichten Bekannter, die gleiches erlebt haben!
Fazit: Auch ohne Krankenversicherung erhält man hier eine ausgesprochen gute medizinische Versorgung, die zudem noch besser ist, als die von deutschen Kassenpatienten!
Für weiterführende Fragen stehe ich natürlich im Kommentarbereich zur Verfügung!

6 thoughts on “Die Mär von der Obamacare – Bilanz eines betrügerischen Politikversprechens

  • 12. Juli 2016 at 2:07
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    Hallo,
    ein sehr aufschlussreicher Beitrag. Vom anderen Ende des Planeten (Thailand) kann ich ähnliches berichten. Die Thais haben eine sogenannte 30 Baht Krankenversicherung das bedeutet, wenn sie ins Krankenhaus kommen bezahlen sie 30 Baht (weniger als 1 Euro) und die Grundversorgung ist gesichert (für Ausländer gibt das allerdings nicht) . In der Grundversorgung liegt der Patient dann in einem Saal mit mindestens 20 oder mehr Personen. Will er ein extra Zimmer mit Aircon, muss er es auch extra bezahlen. Diese Kosten bewegen sich auf einem Niveau, die einer einfachen Hotelunterkunft entsprechen. Wer Geld hat, findet private Krankenhäuser die dem Level eines Luxushotels ohne weiteres standhalten. Entsprechend verhält es sich auch mit ärztlichen Leistungen, Grundversorgung frei, bei Extras ist alles möglich, die Grenze setzt der Markt der medizininschen Wissenschaft.

    Ich persönlich halte inzwischen das Sozialsystem wie es in D praktiziert wird für ein lupenreines Abzockersystem. Diejenigen die es finanzieren müssen, erhalten die geringsten Leistungen. Paradoxerweise sind es aber gerade die Bevölkerungsgruppen die im Verhältnis zu den Kosten die geringsten Leistungen erhalten, aber das System am stärktsten verteidigen.

    So gesehen bekommt jeder was er verdient. Dieses Missverhältnis lässt sich noch in anderen Sektoren beobachten, z.B. im Bildungssystem https://www.video.uni-erlangen.de/webplayer/id/10205 man höre sich bitte das Eingangsstatement des Professors an. Im Verlaufe der Podiumsdiskussion kommt zu Tage, dass unter den eingestellten Nachwuchsakademikern kein einziger Deutscher mehr ist, die besser Qualifizierten kommen alle aus dem Ausland. Das dazu passende Geschwaffel der zuständigen Behördenvertreter kann man sich eigentlich gar nicht mehr anhören.

    Ich war gerade letzten Monat in Deutschland, habe dort mein Restvermögen liquidiert. Ich sehe dort weit und breit keine nenneswerte Gegenwehr. Im Gegenteil: Die Deutschen wollen noch mehr Sozialstaat — http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/deutschland-deutsche-wollen-mehr-sozialstaat-aber-kaum-dafuer-zahlen-a-1100840.html
    Ich weiss nicht ob solche Umfragen/Studien getürkt sind. Wenn ich meine persönlichen Erfahrungen berücktsichtige, die ich durch entsprechende Gespräche gesammelt habe, entspricht das genau der Erwartungshaltung der demokratischen Mehrheit.

    Für mich ist das Thema Deutschland erledigt. Was bleibt sind wehmütige Erinnerungen. Wen meine gemachten Eindrücke vom letzen Monat interessieren, kann sie hier nachlesen — http://los.bplaced.net/2571/23-ein-monat-im-merkel-kinderparadies/
    Gruss

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  • 12. Juli 2016 at 16:53
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    Den Beitrag von Tom Schiller moechte ich einiges hinzufuegen.

    Obamacare ist eine Privatversicherung, also nicht vergleichbar mit Deutschland und seinem Sozialversicherungssystem.
    Fuer die Rentner gibt es Medicare, diese Versicherung uebernimmt ca. 80% der Kosten, der Rest muss selbst geragen bzw. eine Zusatzversicherung abgeschlossen werden. Dies obwohl ein lebenlang bei der abeitenden Bevoelkerung monatliche Beitraege fuer Medicare vom Gehalt abezogen werden.
    Fuer Arme, Alleinerziehende, Kinder, Minimum wage Verdiener . gibt es Medicaid. Medicaid uebernimmt die vollen Kosten und die Menschen die Medicaid haben erhalten oft bessere Leistungen als Leute mit Medicare oder ueber ihren Arbeitgeber Versicherte oder Privatversicherte.
    Viele Grosskonzerne wie Wallmart oder auch Fastfood corporations zahlen gerade soviel oder die Leute arbeiten gerade so 20 Std. damit sie Leistungen wie Medicaid oder Foodstamps erhalten koennen. Der Steuerzahler sponsert sozusagen die Minimumloehne der Konzerne.
    Viele junge Leute wetten auch auf ihre Gesundheit hofften nicht krank zu werden, sparten sich vor Obama care Krankenversicherungsbeitraege und liessen sie sich auszahlen. Dies ist soweit verstaendlich, da sie oft College loans abzuzahlen haben.

    Seit vielen Jahren lebe ich in den USA und kann Mr. Schiller soweit beipflichten, dass es eine sehr gute Versorgung im Falle eines Krankenhausaufenthaltes oder ER Besuchs gibt. Ich hatte eine Hueft OP, 5 Tage Krankenhaus, schoenes Einzelzimmer, Computer in jedem Zimmer fuer das Pflegepersonal, um alles sofort zu dokumentieren wie z.B. Medikamentengabe, Jede Menge Personal das sofort kam wann es gerufen wurde auch nachts. Genau das Gegenteil dass ich erlebte als meine Mutter in Deutschland im Krankenhaus war und fast einen tag lang „vergessen“ wurde.r Sie konnte sich nicht einmal die Notklingel erreichen.
    Eine deutsche Krankenschwester sagte mir ,dass sie hier mit einer Helferin nachts 12 Patienten versorge und fast doppelt so viel verdiene wie in Deutschland.
    Allerdings gab es kaum Nachsorge bei meiner OP. Zweimal die Woche eine Std. Rehab und eine Krankenschwester einmal die Woche nach Hause um die Blutwerte zu checken. Rehabklinik Aufenthalt wie nach OP’s in Deutschland ueblich ,gibt es nur bei Complicationen oder wenn man mindestens 70/80 J. ist Ich wurde nach 5 Tagen entlassen und mein Mann und ich waren auf uns alleingestellt. Er hatte mich zu versorgen und sollte sogar den Verband wechseln. Wir hatten viel Hilfe von guten Nachbarn und Freunden. die z.B. einkaufen fuhren Essen brachten usw. sonst waere es sehr schwierig gewesen da mein Mann selbst ein behinderter Veteran ist. Doch darauf wurde keine Ruecksicht genommen auch nicht als ich mich beim Kliniksozialarbeiter darueber erkundigte, ob ich nicht wegen der besonderen Umstaende in der Rehab klinik bleiben koennte. Antwort“ Die Versicherung zahlt das nicht mehr“. Waere ich auf Medicaid gewesen haette diese Versicherung alles uebernommen.
    Medicaid greift auch bei Kosten von Pflegeheimen, wenn kein Vermoegen vorhanden ist das Vermoegen ( auch Haus) muss 5 Jahre vor Pflegefall aufgebraucht oder uebergeben worden sein. Kinder werden in US nicht fuer die Kostenuebernahme von Eltern in Pflegeheimen in die Pflicht genommen.
    Die OP und Aufenthalt wurde meiner Versicherung mit 35.000 Dollar verrechnet.
    Ein ER Besuch wegen Asthma anfall mit 3000 Dollar. Selbstbeteiligung ca. 100 Dollar, davor mit der selben amerik. Versicherung in Deutschland 7500 Dollar Selbstbeteiligung.
    Die Leistungen der Unversicherten werden auf die Rechnungen der Versicherten aufgeschlagen. Die Krankenhaeuser sind meist for Profit Organisationen.

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    • 12. Juli 2016 at 21:55
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      Hallo Emma,

      Vielen Dank für Ihre wunderbaren Ergänzungen! Mir sind nach dem Schreiben des Artikels auch noch jede Menge Dinge dazu eingefallen. Aber der Kommentarbereich muss ja auch für etwas gut sein! 🙂

      Mir kam es im Wesentlichen darauf an, folgende Fakten über Obamacare nach Deutschland zu übermitteln:

      1. Der „Affordable Healthcare Act“ hat nichts verändert, weiterhin sind 40 Mio Amerikaner nicht versichert.

      2. Der einzige Unterschied zur Zeit vor Obamacare ist, dass diese Leute jetzt eine Strafsteuer zu zahlen haben.

      3. In Deutschland geistert der Mythos herum, dass man hier in den USA nur dann eine ordentliche medizinische Versorgung bekommt, wenn die Kreditkarte passt. Das stimmt einfach nicht. In Deutschland habe ich das erlebt. Ich war dort viele Jahre im Rettungsdienst tätig und habe einschlägige Erfahrungen gemacht. Mittlerweile geht dort ohne Versichertenkarte gar nix. Einzige Ausnahme dürften da wohl die Gäste aus Nahost und Nordafrika sein.

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      • 15. Juli 2016 at 4:11
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        Hi Tom
        you are welcome 🙂
        Ich denke Du hast die Fakten des US Gesundheitsystems aka Obamacare sehr gut erklaert, da die meisten Deutschen von ihrem eigenen Gesundheitsystem ausgehen und urteilen, was einfach nicht mit Obama care oder US Gesundheitsystem vergleichbar ist. Ich habe auch erst hier durch Erfahrung gelernt und bin immer noch dabei das Ganze zu verstehen.
        Punkt 3, stimme ich auch voll zu. In Deutschland gibt es schon lange ein Klassensystem und bestimmte Victimsgruppen kommen mit allem davon.

        Gruesse

        Emma

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      • 14. Januar 2017 at 7:12
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        Hallo 😕
        Es reicht uns schon die Hetze in Deutschland….freuen Sie sich doch einfach, dass Sie nicht mehr hier leben 😶
        Was soll diese Anmerkung bezüglich der Flüchtlinge zwischen den Zeilen ?
        Wenn man Flüchtlinge ins Land lässt muss man sie auch versorgen….das hat nichts miteinander zu tun !
        Wir müssen mit einer erschwerten Situation klar kommen und das Gehetze hilft nicht ….Leute die anpacken fehlen…die beiden Syrer die ich unterstützt habe, arbeiten beide Vollzeit und zahlen alle Steuern…

        Reply
  • 13. Juli 2016 at 14:35
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    Hallo, ich wohne in Spanien und bin über meine Ehefrau versichert; sie ist selbständig.
    Meine Ehefrau zahlt keine 200.00 Euro Beiträge in die Sozialversicherung, die nach mindestens 15 Jahren Beitragszahlungen, auch eine Rente von etwa 735,00 Euro enthält.
    Ich leide seit 2007 an Leukämie und muss seitdem Medikamente (Spycel) einnehmen, die über 5.000 Euro im Monat kosten.
    Zuzahlung für die etwa 540.000,00 Euro in den ganzen Jahren, NULL Euro.

    Viele Grüße
    H. J.Weber

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