Bürger in Deutschland: Zwischen Verwirrung und Wut allein gelassen

Wenn wir in diesen Tagen von Burschenschaften hören, dann meist wegen irgendwelcher Angriffe der
Antifa. Ich bin kein Burschenschafter. Aber der nachfolgende Auszug aus der Rede von Holger Marsch, Landsmannschaft Rhenenia Münster, auf dem 148. Pfingstkongress (Eintrag 17. Mai 2016) fiel mir positiv auf:

„Die Krisen haben sich angewöhnt, alle zugleich auf uns einzuwirken. Sie sind längst stärker geworden als unsere Fähigkeit, sie zu ignorieren. Und durch die Parallelität der Ereignisse hat sich noch etwas geändert: Niemand glaubt mehr, in einer Ausnahmephase zu leben. Die neue Krisennormalität ersetzt allerdings keineswegs die anderen Menschheitssorgen, sie belastest vielmehr zusätzlich.

Unter dem Druck des prall gefüllten Sorgenrucksacks wird die sachliche Auseinandersetzung mit all den Notlagen, wird der gelebte gesellschaftliche Diskurs heftiger. Politiker haben immer schon weitgehend ohne Rücksicht auf die Integrität des Gegenüber polarisiert – wir haben uns längst daran gewöhnt. Aber mittlerweile sind auch die Diskussionen im Freundes- und Bekanntenkreis – sofern sie angesichts der scheinbaren Aussichtslosigkeit der Situation denn überhaupt noch stattfinden – bissiger geworden.

Der Versuch der psychologischen Deutung könnte zu folgendem Schluss führen: Die heftige Abwehr der jeweils anderen Position dient offenbar auch der Abwehr der neuen Lage. Lösungen können so nicht gefunden werden.

Und wer weiß denn überhaupt noch, wem oder was er glauben soll? Eine gewisse Diskrepanz zwischen dem, was Staatsmänner denken und sagen, hat es immer gegeben. Sie ist aber deutlich größer geworden. Die führenden Politiker wollen es offenbar vermeiden, uns mit ihrer für mich gut verständlichen eigenen Verunsicherung weiter zu verunsichern. Frau Merkel hat es in einem kurzen und sehr eindrucksvollen Satz auf den Punkt gebracht als sie 2012 sagte: „Wir dürfen die Märkte jetzt nicht beunruhigen“.

Klingt das nur für mich wie eine Kapitulation vor denen, die in diesem Land offenbar wirklich regieren. Schon im Rahmen der Bankenkrise war der Bürger nur als zahlungskräftiger Erfüllungsgehilfe gefragt. Informationen darüber, wieso es überhaupt zu derartigen Auswüchsen finanzieller Akrobatik hat kommen können, und was man zur Verhinderung einer Wiederholung dagegen zu tun gedenkt, fielen spärlich aus. Der Bürger wird mit der Wahl zwischen Verwirrung und Wut allein gelassen.“

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