Das große Geld schmeißt sich jetzt an Donald Trump ran

Im Wahlkampf haben Investmentbanken, Milliardäre, Hedgefonds und Vermögensverwalter Hillary Clinton unterstützt. Jetzt, wo sie die Schecks abschreiben und mit Donald Trump leben müssen, schmeißen sie sich an ihn ran.

Trumps Pläne hätten das Zeug, ein neues Zeitalter des Wachstums einzuläuten und die Wachstumsrate in den USA zu verdoppeln. Damit könne Trumps Wirtschaftspolitik zu einer Blaupause für den Rest der Welt werden. Über diese Prognose der Deutschen Bank berichtet nicht nur CNBC.

Zum Vergleich: Unter Obama wuchs die US-Volkswirtschaft im Schnitt pro Jahr um 1,6 Prozent. Das war die schwächste „Erholung“, die die USA nach einer Krise seit der Großen Depression erlebt haben. Wir könnten, wenn die DB-Prognose stimmt, Wachstumsraten deutlich über 3 Prozent erwarten. Basierend auf der jüngsten BIP-Zahl für das 3. Quartal 2016 – das waren 3,5 Prozent – wäre gar bis zu 7 Prozent drin.

Das ist – gelinde gesagt – absolut illusorisch. Diese Vorhersage legt die Latte in eine Region, die die USA nur mit gefälschten Wachstumsstatistiken oder Viagra für alle erreichen könnten. Hier wird ein Szenario aufgebaut, das mich an die Anfangszeit von Barack Obama erinnert – „Yes we can.“ Was davon blieb, war eine große Enttäuschung.

Obama wurde erst von den Mainstream-Medien hochgelobt, nachdem Trump als Sieger der Präsidentenwahl feststand. Aber an dauerhaften Reformen hat er nicht viel vorzuweisen, die Schulden hat er in den Himmel getrieben, er hat für die US-Rüstungsindustrie den Rest der Welt mit Krieg übersät. Und er hat mit seiner treuesten Vasallin in Europa Chaos angerichtet.

Zwar dürfte es Trump gelingen, mit einer mutigen Steuerreform viele US-Firmen mit Teilen ihrer Produktion zurück ins Land zu holen und außerdem deutlich höhere Investitionen auszulösen. Er wird mit öffentlichen Investitionen die Wirtschaft anschieben. Doch um diesen enormen Pusch zu realisieren, dafür müssten die Investitionen massiv ansteigen und Millionen von Jobs ins Land zurückgeholt werden.

Aber vor allzu großen Erwartungen wird bereits eindringlich und überzeugend gewarnt: „Trump kann nicht die gut bezahlten Industrie-Jobs vergangener Jahrzehnte zurückholen, er kann nur moderne Fertigung fördern, was aber höher qualifizierte Arbeitskräfte erfordert und zu weniger Beschäftigung führt“, hat in dieser Woche Nobelpreisträger Joseph Stiglitz ausgeführt.

Danach sieht es nicht aus.

Denn erstens haben die privaten Investitionen in den USA im 3. Quartal ein vorläufiges Hoch erreicht und sinken seitdem auf sehr hohem Niveau. Und die Investitionen in öffentliche Infrastruktur haben im vergangenen Jahr ein 30-Jahrestief markiert, weil die Schulden des Staates enge Grenzen bei den Ausgaben setzen. Nun kann man zwar behaupten, Trump würde sich über derlei Hürden locker hinwegsetzen.

Doch Tatsache ist: Nachdem die öffentlichen Investitionen insgesamt auf den tiefsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg gefallen sind, hat der Kongress im Dezember 2015 ein 305 Milliarden Dollar umfassendes 5-Jahres-Programm für die Schnellstraßen des Landes aufgelegt. Ob der Kongress selbst Trump vor diesem Hintergrund viel Spielraum gewährt um da nochmal etwas draufzulegen, ist für mich trotz der klaren Mehrheit der Republikaner fraglich.

Auf Druck von Trump hat Ford eine 1,6 Milliarden Dollar große Investition in ein neues Autowerk im mexikanischen San Luis Potosi aufgegeben. An der vorbereiteten Baustelle klafft jetzt ein riesiger industrieller Friedhof, wie Reuters berichtet. Nach Fiat Chrysler hat auch Toyota die Drohungen des designierten Präsidenten, Auslandsproduktion und die daraus resultierenden Importe mit heftigen Zöllen zu belegen, Ernst genommen.

Damit setzt Trump eine ansehnliche industrielle Wanderung in Bewegung. Doch um einen spürbaren Effekt auf die gesamte Volkswirtschaft zu haben, müsste sie viel größer sein. Zwar haben US-Firmen im Ausland 2,5 Billionen (Ja, englische „Trillions“) geparkt, weil ihnen die Steuer auf repatriierte Gewinne zu hoch ist. Doch selbst wenn es Trump gelingt, einen Teil dieser gigantischen Summe, die der Größe der sechstgrößten Volkswirtschaft = Frankreich entspricht, zurück ins Land zu dirigieren, würde das vermutlich nicht viel bewirken. Denn bei weitem nicht alles von diesem Geld würde in Investitionen fließen, ein stattlicher Teil wahrscheinlich sogar in Aktienrückkäufe, die den  Topmanagern wichtig sind, um ihre Boni aufzubessern.

Dennoch sollte die deutsche Industrie jetzt genau hinschauen. Trump bringt Bewegung in die Beschaffungs-Pipeline, was leistungsfähigen Zulieferern helfen dürfte. Ob bei Ausschreibungen für öffentliche Investitionen viel zu holen ist, scheint fraglich. Die Deutsch-Amerikanische Handelskammer hat in ihrem „German American Business Outlook 2017“ die Manager von 1.900 Niederlassungen deutscher Firmen in den USA nach der Wahl befragt und herausgefunden: Lediglich 30 Prozent der Firmen erwarten von der Wirtschaftspolitik der neuen Regierung Trump ab dem 20. Januar einen positiven Effekt auf ihr Geschäft, während fast genauso viele – 28 Prozent – „negative Folgen“ prognostizieren. Und die Mehrheit der Befragten – 42 Prozent – erwartet „keine Auswirkungen.“

Das ist alles andere als pralle Zuversicht.

Immerhin wollen offenbar 85 Prozent der kontaktierten Firmen im laufenden Jahr ihre Belegschaft vergrößern. Doch ob sie all die Fachkräfte finden, die sie brauchen, ist eine andere Sache. Am optimistischsten sind Finanzdienstleister, Service-Unternehmen und Transport- sowie Logistikfirmen. Chemiefirmen, Energiekonzerne und Minengesellschaften fürchten dagegen in der Mehrheit negative Effekte.

Ob das unter dem Strich als erfreulich gesehen werden kann, ist fraglich. Selbst die Kammer beschreibt in ihrer Pressemeldung zu dem Bericht ein gemischtes Meinungsbild. Doch wichtige deutsche Branchen wie die Maschinenbauer setzen derzeit schwer auf den US-Markt. Den deutschen Maschinenbauern machen die aufsteigenden Chinesen am Weltmarkt das Leben schwer, weshalb verstärkt auf das US-Geschäft gesetzt wird.

Vielleicht ist das ja ein wichtiger Grund, warum man von deutscher Seite mit guten Prognosen in der neuen Administration schon vor deren offiziellem Start auf sich aufmerksam macht. Auf dem politischen Parkett kann man nach den Belehrungen der Kanzlerin über die Demokratie an die Adresse von Trump – und nach der „Hassprediger“-Äußerung von Frank-Walter Steinmeier, der Trump nicht gleich zum Wahlsieg gratulierte, getrost von einem Fehlstart sprechen.

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