Auswandern: Warum und Wie?

Warum wandern Deutsche aus? Wohnen wir nicht in einem der reichsten und sichersten (zumindest noch bis vor kurzem) Länder der Welt? Bei jedem ist der Auslöser ein anderer. Das Thema Auswandern ist unter der aktuellen Flüchtlings- und Staatskrise so aktuell wie nie zuvor. Der Gastbeitrag von Michael Hasin im Tagespiegel vom 23.1.2016 bringt es auf den Punkt. Manche gehen weniger aus politischen Gründen, bei ihnen ist es mehr die Sehnsucht nach der Einsamkeit, dem Paradies oder schlicht die Hoffnung, dass sich die eigenen Probleme in Luft auflösen.

Bei uns war es einfach die Neugierde, wie so der Rest der Welt tickt. Ein Jahr USA nach dem Studium und zehn Jahre später ging es auf eigene Faust ab nach Kuala Lumpur (da wurde unser IQ ernsthaft in Frage gestellt). Nach zwei Jahren kam der Umzug nach Peking für das Handelsblatt, wo wir sechs Jahre gewohnt haben. Das Angebot nach London umzuziehen wollten wir anschließend nicht annehmen, stattdessen kündigte Markus und wir zogen nach Vancouver wieder auf eigene Faust um. Das verstanden alle aus persönlichen Gründen, aber beruflich haben sie nur den Kopf geschüttelt. Kann man denn von Berichten über Lachse und Bären leben? Was viele aus europäischer Sicht nicht mitbekommen haben, so war Vancouver früher das Ende der europäischen Expansion und heutzutage ist es der Anfang der asiatischen Expansion. Vancouver ist eine der asiatischsten Städte an der nordamerikanischen Westküste. Für Markus ein idealer Standort, Asien zu beobachten, ohne dass wir unter der brutalen Umweltverschmutzung leiden mussten.

In Vancouver haben wir dann auch den Antrag auf „permanent residency“ gestellt und bekommen. Warum wir nach 10 Jahren in Vancouver wieder zurückgekommen sind, schreibe ich in einem späteren Post auf.

Sicht aus dem Büro 25 km außerhalb von Vancouver
Sicht aus unserem Büro östlich von Vancouver

Auswandern ist gar nicht so einfach. Hier ein paar Punkte, die man vorher klären sollte:

  1. Zuerst sollte man sich darüber im klaren sein, warum man auswandern will und was man sich davon verspricht.
  2. Die Entscheidung für ein bestimmtes Land oder eine Region sollte auch langfristig noch stimmen. Der Yukon ist zwar ein tolles Gebiet, aber auf Dauer hält man es schwer aus, nur von der Stille der Natur umgeben zu sein. Neuseeland kam für uns nicht in Frage, weil allein die Heimreise nach Deutschland zwei Tage dauert und als kürzestes Ziel nur Australien in Frage kommt.
  3. Der finanzielle Aufwand des Umzuges und die Anlaufphase müssen gut kalkuliert werden. Im Blindflug sich auf ein Abenteuer einzulassen kann gut gehen, aber wenn man die Familie, wie in unserem Fall mitnimmt, kann man sich einiges an Aufregung ersparen, wenn man es vorab weiß, was auf einen zukommt.
  4. Um das finanzielle Risiko besser abwägen zu können, sollte man mit Leuten Vorort sprechen, die einem einen ersten Überblick geben können.
  5. Die besten Voraussetzungen sind, wenn man einen Beruf hat, der Vorort gebraucht wird. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass es deutsche Handwerker überall sehr viel einfacher haben, als Akademiker. Akademiker sollten sich besser schon von Deutschland aus bewerben. Die Chancen stehen weitaus schlechter, wenn man erst im Land ist.
    In Kanada bekommt man zwar als Akademiker leichter eine PR-Karte, aber man lässt die Leute nicht arbeiten, wenn sie mal im Land sind. Ganz schwierig ist es vor allem für Ärzte, Zahnärzte etc.
    Die Einheimischen schützen sich in dem sie Einwanderer einfach nicht anstellen. In Vancouver war die Ausrede bei Asiaten, dass sie keine „social skills“ haben. Wir Deutsche sind ihnen oftmals viel zu produktiv und umtriebig – und zu kritisch.
  6. Wenn man auswandert ist es vielleicht besser, wenn man seinen Freunden nicht erzählt, man würde es in Deutschland nicht mehr aushalten und deshalb gehen. Wir kennen einige, die trotzdem im Ausland bleiben, weil sie glauben bei einer möglichen Rückkehr als Verlierer dazustehen. Wenn man vorher prahlt, wie toll es in dem Land ist, sieht man nicht besonders gut aus, wenn man zurückkehrt.

2 thoughts on “Auswandern: Warum und Wie?

  • 16. April 2016 at 12:31
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    Ich bin von völlig verblödeten Deutschland nach Schweden ausgewandert nur um festzustellen, dass die Schweden noch tausendmal dämlicher sind.

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    • 16. April 2016 at 13:39
      Permalink

      Auweia, das tut uns aufrichtig leid hier in der Redaktion. Hätten Sie Lust, als Gastbeitrag Ihre Erfahrungen in Schweden für die Leser dieses Blogs aufzuschreiben? Beste Grüße

      Reply

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