#annewill und die verlogenste Provokation, die das Zwangsfernsehen bislang zu bieten hatte

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ItzaFineDay
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Am Morgen nach #annewill nur ein paar Gedanken zu dieser denkwürdigen Sendung. Mit dem Auftritt der
verschleierten „Frauenbeauftragten“ Nora Illi vom „Islamischen Zentralrat Schweiz“ geht uns allen vieles durch den Kopf. Zum Beispiel, dass wir am Sonntagabend Zeugen eines wohl orchestrierten medialen Zirkus wurden. Die ARD – und insbesondere die Moderatorin Anne Will – leistete sich eine gezielte Provokation, die meiner Meinung nach quotengeilste und flachste, die ich bislang im öffentlich-rechtlichen Zwangsfernsehen erlebt habe.

Der einzig „gute“ Aspekt an dieser Sendung ist: Nach dem Auftritt von Illi, der in seiner Art durchweg propagandistisch und endlos verlogen war, mache ich mir keine Sorgen mehr über eine möglicherweise falsche Faszination des Islam, wie sie vor #annewill im „Tatort“ thematisiert worden war.

Ansonsten war das Propaganda pur für den politischen Islam, die so grotesk war, dass sich auf Twitter ein Teilnehmer aus unserem Nachbarland „im Namen der Schweizer bei allen Deutschen“ für diesen Auftritt entschuldigte. Nicht nur Herrn Bosbach ging der Kamm hoch, auf Twitter wogte das, was wir heutzutage einen Shitstorm nennen, über die Selbstverständlichkeit, mit der behauptet wurde, dass Frauen im Islam größere Freiheiten hätten als in unserer Kultur.

Skandalös war aber nicht nur, wie leicht Anne Will diese Frau gewähren ließ, sondern die Tatsache,
dass sie sie trotz bekannter Umstände einlud. Schweizer Zeitungen haben schon vor vielen Monaten den Islamischen Zentzralrat Schweiz entlarvt und diesen als das bloßgestellt, was er ist: ein kleiner Verein mit einem großen Namen, der eine extreme Minderheit zu vertreten vorgibt und sich dabei in dubioser Angelegenheit als propagandistisch geschickt erweist.

In der Schweizer „Wochenzeitung“ hört sich so an:

„Eines wurde immer wieder von neuem klar: dass es Qaasim Illi und dem kleinen Verein mit dem grossen Namen – Islamischer Zentralrat – gelang, mehr Medienaufmerksamkeit zu erhalten als alle anderen muslimischen Vereine zusammen. Gerade einmal 0,5 Prozent der rund 400 000 Schweizer MuslimInnen vertritt der Islamische Zentralrat (IZRS), dessen Sprecher Illi ist. Seine Mitglieder waren vom Genfer Islamwissenschaftler Tariq Ramadan als «Sektierer ohne Basis» bezeichnet worden. Und trotzdem: Im Rahmen des Abstimmungskampfs gegen die Minarettinitiative 2009 gegründet, verzeichnete der Zentralrat im Frühling 2016 in der Schweizer Mediendatenbank über 3300 Erwähnungen.“

Die Neue Zürcher Zeitung beschrieb die „Rattenfänger“ und „Brunnenvergifter“ des Zentralrates im Januar 2015 so:

„Wer um die Gunst und Aufmerksamkeit der Journalisten balzen will, zieht ein auffälliges Kleid an oder praktiziert ein sonst wie auffälliges Verhalten. Damit wachsen die Chancen, in die Medienarenen zu gelangen, exponentiell. Der Trick ist so simpel wie erfolgreich. Die Exponenten des Islamischen Zentralrats Schweiz (IZRS) beherrschen ihn bestens. Sie haben überdies das Glück, dass ihnen die Kontrahenten die Arbeit leichtmachen.“

Eine Zeitung im Tessin hat die Aktivistin Nora Illi unlängst als eine „unbedeutende Marionette“ bezeichnet. Warum wurde Nora Illi dann am Sonntagabend trotzdem in die Sendung eingeladen? Aus Ignoranz, oder wegen grober journalistischer Nachlässigkeit? Sicher nicht.

Eher wegen des bereits erwähnten, gezielten Tabubruchs, der für Quoten sorgen sollte. Hier macht sich #annewill aber nicht nur grober journalistischer Unredlichkeit schuldig, sie öffnet ihre Sendung nicht nur billigster Propaganda, sie hat auch eine unbekannte Zahl entsetzter Zwangsgebührenzahler derart vor den Kopf gestoßen, dass jetzt die Debatte über die verhassten Gebühren in Deutschland noch mehr Schub erhält.

Hier haben wir die eigentliche Dummheit, die mit dieser Sendung begangen wurde, denn die Propaganda der verschleierten Frau, die auf Twitter wahlweise als „Mumie“ und als „Geist“ bezeichnet wurde, war so durchsichtig, dass sie an sich harmlos war. Doch über das gebührengeknechtete Publikum hinaus wurden mit dieser Ausgabe der Sendung auch Unmut und Kritik in der politischen Kaste provoziert.

Die ARD hat die Kritik an ihrem eigenen Verhalten dadurch in ungeahntem Maße geschürt. Im Raum steht bereits der CSU-Vorstoß von diesem September, ARD und ZDF zu fusionieren. Im Raum steht zudem das vom Bundesfinanzministerium in Auftrag gegebene Gutachten von 32 Professoren im Wissenschaftlichen Beirat. Das Papier hat in einer veränderten Medienlandschaft nicht nur die „Grundversorgung“ als überkommen charakterisiert, es hat letztlich auch die dafür erhobenen Gebühren in Frage gestellt.

Das Papier war bereits im Schrank verschwunden und setzte Staub an. Jetzt werden sich viele wieder daran erinnern. Anne Will hat am Sonntagabend der ARD einen richtigen Bärendienst erwiesen, weil sie auf der Jagd nach Quoten den Gebühren-Ast weiter abgesägt hat. Sie muss sich auch nicht wundern, dass dafür viele Zuschauer keinerlei Mitleid empfinden.

Will hat viele bestätigt, die den Zwangs-Sendern Lügenjournalismus vorwerfen. Was wurde die Schweiz in hiesigen Medien geprügelt, als es um angeblich „ausländerfeindliche“, „hinterwäldlerische“ Volksinitiativen, Petitionen und Referenden ging. Jetzt plötzlich dient die Schweiz – weil es gerade in die Gemengelage und die Argumentationskette passt – als gutes Beispiel, weil eine konvertierte Schweizerin den im Willkommenstaumel importierten Islam erklären soll.

Wer so willkürlich „aufklärt“ – und so fragwürdig und widersprüchlich „grundversorgt“- muss sich allerdings nicht wundern, wenn seine Daseinsberechtigung vom Publikum immer mehr angezweifelt wird.

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