Nur die Masse kann etwas bewirken. Wirklich?

Flickr Commons ItzaFineDay C:\Users\user\Documents\SCREENCAST Fotos\2016-05-22_1720.png
Flickr Commons, ItzaFineDay
C:\Users\user\Documents\SCREENCAST Fotos\2016-05-22_1720.png

Unser Leser Paul Emsheimer hat einen bemerkenswerten Kommentar eingereicht, der zu Recht einen brisanten Punkt aufgreift. Es geht darum, dass uns von der Schule an beigebracht wird, nur zusammen könnten wir etwas ändern. Dabei stehen am Anfang jeder erfolgreichen Bewegung stets einzelne Menschen oder kleine Gruppen.

Hier zunächst der Kommentar, dann ein paar Gedanken, die wir in diesem Blog und Forum zusammen weiterführen können – und sollten:

„Lieber Max,

selbst wenn die AfD 60% der Stimmen bekäme, würden die Oberhäupter der AfD die Gelder bekommen, statt der bisherigen Politik-Marionetten. Für die letzteren sicher nicht allzu tragisch, da sie gut abgesichert sind. Politisch wird sich freilich nichts ändern, auch wenn anders geredet wird. Die Islamisten werden weiterhin kommen, möglicherweise in noch größerer Zahl: Das treibt den Wähler zur AfD. Also: Je mehr Flüchtlinge, je mehr Wähler/Geld für die AfD.

Deine Mitgliedschaft in der AfD wird also nur bewirken, daß Du, lieber Max, etwas dazulernst und politikverdrossener wirst.

Nur der Einzelne kann etwas bewirken, nie die Masse. Ich weiß, in der Schule lernt man das Gegenteil, warum wohl?

Eine Firma Hasselblad, Zeiß, VW, Mercedes usw. ist nie von einem SPD-Kollektiv gegründet worden, sondern von Persönlichkeiten. Das Kollektiv beteiligt sich dann am Gewinn – bei dem selbstständigen Mittelstand ca. 90% des Gewinnes- ja, ist wirklich so- und verteilt diesen, um in die eigenen Taschen und z.B. die des Flüchtlingsgewerbes.

Tja, was tun?

Nun, das Gelaber von einem Hörstel, Elsässer, einer Petry oder Wagenknecht, auch wenn es teilweise geistreich ist, wird für Dich und andere Milchkühe nichts ändern.

Es ist ganz einfach: Die Steuereinnahmen betragen 300 Milliarden p.a., ca., die Ausgaben nur für Arbeit und Soziales mehr als 800 Milliarden p.a., da kann man schnell ausrechnen, daß das nicht ewig gut geht.

Und: Damals hat Bolko Hoffmann gegen die Einführung des Euro gekämpft, also ein Rechtsradikaler. Er hatte Millionen und Mitstreiter oberhalb des akademischen Niveaus. Sein Erfolg ist bekannt: Null.“

Zunächst einmal: Der Hinweis auf Bolko Hoffmann stimmt. Ich habe das gut in Erinnerung, weil ich dieses Beispiel in meinem Buch über die „Lügenpresse“ zitiert habe.

Als Hoffmann seine Kampagne gegen den Euro, den Helmuth Kohl nach eigener Aussage „wie ein Diktator“
durchboxte, mit Anzeigen vor allem in der Jungen Freiheit begann, warnte die ARD auf ihrer Kontraste-Webseite sogleich: „Das rechte Spektrum macht mobil.“ Das war im Januar 1998 und kann heute noch hier nachgelesen werden. Bei Kontraste hieß es damals auch: „Das rechte Spektrum abseits der rechtsradikalen Parteien oder Neonazi-Szene in Deutschland findet kaum Beachtung. Das wollen sie jetzt ändern. Das Reizwort ist Euro. Die Angst vor dem Euro wird geschürt, um die Bürger ins rechte Lager zu treiben.“

Wir können also getrost sagen, dass dies kein neues Instrument im Werkzeugkasten der linken Propaganda ist, unliebsame Kritiker in die rechte Ecke zu stellen. Das ist seit vielen Jahren so.

Klar ist auch, dass es damals Ende der 90er-Jahre viele Gegner des Euro gab und die Bundesregierung bei einer Volksabstimmung um eine Mehrheit für das Projekt hätte bangen müssen. Helmut Kohl hat in einem Interview mit dem Journalisten Jens Peter Paul für dessen Dissertation über die Einführung des Euro – „Bilanz einer gescheiterten Kommunikation“ – ab Seite 284 durch Abdruck des Interviews nachgewiesen, sogar zugegeben, dass er sich „wie ein Diktator“ verhalten habe.

Zurück zu Bolko Hoffmann: Ganz wenige Zeitungen – wie damals die Süddeutsche – waren nicht bereit, bei dieser Hexenjagd auf die Euro-Gegner mitzumachen. Nach Hoffmanns Tod schrieb die SZ am 21. Mai 2010:

„Der gelernte Diplom-Kaufmann, dessen Vater Albert NS-Gauleiter von Westfalen-Süd
war, hat sich in vielen politischen Vereinigungen versucht. Mancher rechnete ihn der strammen politischen Rechten zu. Er schaltete in der Rechtspostille Junge Freiheit großzügig Anzeigen, doch im Kern war er vermutlich ein konservativer Wirtschaftsliberaler.“

Doch jetzt zum eigentlichen Punkt: Können wir alleine etwas ändern, oder nur im Kollektiv? Das ist natürlich ein bisschen wie die Frage nach der Henne und dem Ei. Natürlich kann oft nur eine große Bewegung den nötigen Druck zur Veränderung ausüben. Aber am Anfang jeder Bewegung stand oder steht eben immer ein einzelner oder eine kleine Gruppe von Menschen, die sich nicht unterkriegen ließen.

Da wir aber in der Schule und anderswo tatsächlich immer eingeimpft bekommen, dass es Bewegungen – oder kollektiver Widerstand welcher Art auch immer – sind, die etwas verändern, führt das zu einer Situation wie heute:

Alle warten darauf, dass jemand anders etwas tut. Genau deshalb passiert am Ende auch nichts, obwohl unser Land zum ersten Mal in Jahrzehnten mehr Verlierer zählt als Gewinner, wenn wir die aktuelle wirtschaftliche und politische Lage analysieren.

Die Entschuldigung für jeden, der nichts getan hat, ist dann am Ende immer: Es war sowieso hoffnungslos, weil es sich abzeichnete, dass sich die Masse wieder nicht rühren würde.

Aus diesem Kreislauf müssen wir raus. Und das beginnt in Millionen von Einzelfällen, die für sich betrachtet jeweils ziemlich aussichtlos aussehen mögen, es aber nicht mehr sind, wenn sich ausreichend viele trauen, etwas zu tun.

Nehmen wir den rapide wachsenden Widerstand gegen die GEZ-Gebühr. Rund 4,5 Millionen Deutsche sind bereits mit den Zahlungen für das Zwangsfernsehen in Verzug, oder zahlen gar nicht mehr. Mit Sieglinde Baumert gab es in der Auseinandersetzung zwischen dem genötigten Publikum und den TV-Anstalten sogar schon die erste politische Gefangene seit dem Fall der Mauer.

Der AfD-Politikerin Beatrix von Storch wurde deshalb das Konto gepfändet. Und der Wissenschaftliche Beirat im Finanzministerium hat ja bereits vor mehr als einem Jahr nachgewiesen, dass das GEZ-System reformbedürftig ist. Mit dem Erziehungsfernsehen, das jeden Tag ausgestrahlt wird, bekommen wir täglich Beweise dafür, wie wenig das Angebot die erzwungenen Gebühren rechtfertigt.

Aber wenn sich den 4,5 Millionen vielleicht NOCH eine Million hinzu gesellt, dann haben wir eine Massenbewegung, die nicht mehr zu stoppen ist.

Jede Wette: Da draußen im Lande gibt es mehr als diese EINE Million Einzelfälle. Worauf warten wir?

3 Gedanken zu „Nur die Masse kann etwas bewirken. Wirklich?

  • 22. Mai 2016 um 18:14
    Permalink

    Die Analyse ist wahrlich sehr treffend: Jemand (einer) entdeckt eine Möglichkeit, Geld zu sich umzuleiten (verdienen, erpressen, erschleichen), und schart mit dem WIssen um diese Möglichkeit weitere (die „Masse“) hinter sich. Deswegen wird aus den Reihen der Bevölkerung, die sich in der Mehrheit als Nutznießer o.g. Verhältnisse (300Mrd>800Mrd) versteht, auch kein Widerstand von innen kommen. Natürlich gibt es eine „kritische Masse“ an Verweigerern, ab der das jeweilige System wackelt, aber ein System strebt immer! nach Selbsterhalt, und wird auch immer! nur von außen bzw. durch äußere Umstände gekippt! Wer glaubt, daß die Revolutionen der Geschichte von durchschnittlichen Pionieren organisiert und angeführt wurden, darf gern weiter fernsehen.

    Antwort
  • 25. Mai 2016 um 14:56
    Permalink

    „Devide et impera“ ist das Prinzip das bereits seit der Antike verwandt wird um Personen oder Gruppen, die gegen den Widerstand der herrschenden Gruppe etwas verändern möchten, das Wasser abzugraben.

    Insoweit beantwortet sich die Frage ob „Henne oder Ei“ relativ simpel. Zwar ist es immer eine Person (oder eine recht kleine Gruppe) die eine Idee hat, aufarbeitet und umsetzen möchte. Doch erst wenn es dieser Person/Gruppe gelingt das Prinzip von „devide et impera“ zu durchbrechen und genügend Teilgruppen auf sich zu vereinen – die kritische Masse zu überschreiten – besteht die realistische Möglichkeit tatsächlich auch etwas zu verändern.
    Damit auf dem Weg dorthin die Idee nicht korrumpiert wird (die neue Elite findet Gefallen an der Enddeckung des Fresstrogs) braucht es einen besonderen Umstand.
    Die Person von der die Idee ursprünglich stammt musst derart charismatisch, und von der Idee besessen sein, dass sie den Willen und die Kraft hat alle anderen wegzubeißen welche die Idee ggf. verwässern wollen. Kurzum: Einen Diktator, oder etwas positiver formuliert: Einen Autokraten.

    Alexander der Grosse, Cäsar, Peter der Grosse, Napoleon, Hitler, Tito, Atatürk ………… die wirklichen Veränderer waren allesamt Autokraten und/oder Diktatoren.

    Leider ist jedoch auch in dieser Gruppe die Anzahl der Überzeugungstäter weitaus kleiner als die derjenigen die ihre Position ausschließlich zum eigenen Vorteil ausschlachten. Doch immerhin ist es mit einem solchen Charakter möglich. Demokratien dagegen brauchen Mehrheiten und die Wiederwahl. Das macht es in einer Demokratie fast qua Definition unmöglich echte Veränderungen zu bewirken. Wenn überhaupt, dann nur in quälend kleinen Tippelschritten.

    Antwort
  • 29. Mai 2016 um 13:16
    Permalink

    Hallo,
    ein gutes Thema. Die Antwort ist eigentlich ganz einfach. Wenn man sich die Entdeckungen anschaut, die im wesentlichen die Welt verändert haben, waren es immer Aussenseiter (Einzelgänger) welche die entscheidenen Weichen stellten. Das Establishment hat diese Aussenseiter bestenfalls ignoriert, verspottet oder sogar bekämpft. Das kann man besonders im wissenschaftlichen Sektor beobachten, angefangen bei Galileo Galilei und die modernen Kandiaten sind z.B Bill Gates und Steve Jobs.

    Die damaligen Markführer IBM haben zu Gates Zeiten das Thema komplett verpennt. In der Medizin läuft das genau gleich, nur kostet das diverse Leben, aber davon gibt es ja genug. Kommen wir zur Politik oder besser zur Demokratie, der Schirmherrschaft der Moderne.

    Es gibt auf der ganzen Welt keine Firma (Weltkonzern) oder ein Familienunternhmen, das demokratisch geführt ist. Der Grund ist ganz einfach, es hätte keine Überlebenschance.

    Aber im übergeordneten Staatswesen ist die Demokratie die beste aller Alternativen. Mehrheitsentscheidungen sollen die Krönung der Schöpfung repräsentieren, obwohl jeder instinkiv weiss, dass die Mehrheit immer falsch liegt.

    Ich kann niemand das Denken abnehmen. Wer das Denken anderen überlässt, den Experten – darf sich nicht wundern, wenn das Ergebnis nicht seinen Erwartungen entspricht. Jeder ist selbst seines Glückes Schmied, wenn er selbst denkt und mit dem Produkt dieses Ergebnisses sein Leben gestaltet.

    Wenn das Denken für das eigene Leben andere übernehmen, dann sollte man sich auch nicht über das Ergebnis aufregen. Es wird niemals mit den Erwartungen übereinstimmen, sehr wahrscheinlich sogar konträr verlaufen.

    Wer auf die Masse setzt (Demokratie) muss mit dem Diktat des Verwalters der Massen leben. Auch heute noch hat jeder die Möglichkeit seinen eigenen Weg zu suchen, oder sich der Masse (Demokratie) anzuschliessen. So einfach ist das. Das eigene Leben in die Hand zu nehmen birgt viele Risiken aber eröffnet genauso viele Möglichkeiten. Die Demokratie (Masse) verspricht ein Leben ohne Risiko, die Realität zeigt aber die Wirklichkeit – es ist ein genialer Werbespot, mehr nicht.

    Meine persönliche Entscheidung ist gefallen, Masse (Demokratie) nein danke.
    Gruss

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.