Die Verachtung der Medien und der Raum ohne Volk

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In wenigen Wochen beginnen die Olympischen Sommerspiele in Brasilien. Während der Gouverneur von Rio nicht einmal weiß, ob es vorher noch einen völligen Kollaps des örtlichen Sozialsystems inclusive Unruhen  geben wird, haben wir bereits vor Beginn der Spiele einen neuen Olympischen Rekord zu verzeichnen: Es werden 450 000 Kondome ausgegeben, 42 pro Athlet. Da man zum Sex in der Regel mindestens zwei Personen braucht, dürfte das für 84 Mal reichen. Weil das drei Mal so viel Verhütung ist wie bei den letzten Spielen, fragt man sich allerdings, worum es bei Olympia neuerdings geht.

Ich will mich nicht als Moralapostel aufspielen, sondern lediglich auf etwas hinweisen, was viel über unsere Gesellschaften sagt. Der britische Mirror hat vor wenigen Tagen einen Bericht gebracht, demzufolge Partys mit Sex-Roulette-Spielen in Mode kommen. Und die gehen so: Einer der Teilnehmer ist HIV-positiv, alle haben Spaß miteinander, keiner darf ein Kondom tragen. Der Kick an der ganzen Sache ist, dass niemand weiß, wer der Teilnehmer mit HIV ist. Russisch Roulette mit Vögel-Faktor sozusagen.

Was sagt uns das?

Dass uns kollektiv jemand heimlich Viagra ins Essen streut? Dass die Rundum-Sexualisierung der Unterhaltung uns zu Sex-Monstern gemacht hat? Dass das Ende der Menschheit naht und alle es noch einmal so richtig krachen lassen wollen? Vielleicht auch ganz harmlos: Dass diverse Aufbau(sch)- und leistungssteigernde Präparate den Sportlern heftige Hormonschübe verleihen? Oder ist die Luft in Brasilien – dem einzigen Land auf der Welt, das den schönsten Po („Miss BumBum“) prämiert – so hormongeschwängert, dass man dort automatisch sex-besessen wird? Das müssten die Statistiken ja zeigen. Und an den (schwachen) Leistungen der Athleten müssten wir das auch ablesen können. Werden wir aber nicht.

Nein, es geht um etwas anderes.


Sex ist ein riesiges Geschäft geworden. Jetzt erobern sogar die Kondom-Konzerne Olympia und kommerzialisieren es. Im Fernsehen und in den Magazinen, geht es zu, wie schon lange auf der Seite drei der BILD (oder war es Seite 4? Ich lese die BILD nicht). So ähnlich müssen die Gesellschaften am Ende des Römischen Reiches und in den späten 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts vom Amüsement gefangen genommen und verschlungen worden sein.

Wer über 50 ist und die britische Daily Mail online aufschlägt, sieht mehr Busen und unbedeckte Haut als in den ersten 30 Jahren seines Lebens. Sex sells. Aber Sex lenkt auch die Massen ab. Und wenn Folha de Sao Paulo, meines wissens eine der drei größten Zeitungen Brasiliens, die Olympischen Ringe durch Kondome darstellt, ist das exakt auf den Punkt gebracht.


Wenn wir aufmerksam die Zeitungen lesen – und Online-Quellen hinzunehmen – entsteht ein noch viel schlimmeres Bild: Aus Flüchtlingsheimen verschwinden Kinder, Frauen werden im großen Stil aus Osteuropa hierher verschleppt, Pädophilen-Ringe haben in Europa Hochkonjunktur, wie vor allem Großbritannien zeigt. Man fragt sich, warum Deutschland hier eine Ausnahme sein sollte und warum die Zeitungen wenig darüber schreiben. Auch die entstehende Grapsch-Kultur wird weitgehend ignoriert.

Es gibt immer weniger Tabus. Abartige Praktiken werden immer öfter gezeigt. Sex, so weit das Auge reicht. Und das zu einer Zeit, in der Frauenrechte in unserem Land einen heftigen Rückschlag erleiden. Die massenmedial aufbereitete und teils zelebrierte Orgie ist aber nur eine von zahlreichen Maschen, mit denen wir abgelenkt werden und ganze Industrien dabei einen Reibach machen.

Und wer auf Busen starrt, fragt nicht, warum Angela Merkel das Land an die Wand fährt und sein traditionelles Gefüge auflöst, warum die Umwelt zugrunde geht, Deutschland sich schrittweise in einen Krieg gegen Russland zerren lässt, die Sozialsysteme unbezahlbar geworden sind, und warum das Wahlvolk zunehmend ignoriert und sogar verachtet wird.

Die Verachtung reicht bis in die Medien hinein. Nur ein Beispiel von vielen, man lese mal in der taz nach: „Super, Deutschland schafft sich ab.“ Im Vorspann dieses Beitrags heißt es: „In der Mitte Europas entsteht bald ein Raum ohne Volk. Schade ist das aber nicht. Denn mit den Deutschen gehen nur Dinge verloren, die keiner vermissen wird.“

Solche Medien wird auch keiner vermissen. Schon jetzt nicht.

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