Unser Leben in der Seifenblase

Flickr Commons, Tamori Hideaki
Flickr Commons, Tamori Hideaki

Wir leben in einer Seifenblase, in einer puren Illusion. Unsere Welt wird größer und bunter. Aber wir sind nur einen Nadelstich von einer Katastrophe entfernt, weil wir uns – so weit man schauen kann – mit Jubelzahlen umgeben, die Wachstum suggerieren, „schwarzeNullen“, hohe Beschäftigung und Geld im Überfluss. Es ist eine ganze Potemkin-Siedlung.

Wie das schon im Kleinen funktioniert, habe ich heute früh wieder bei meinen beiden Jungs gesehen. Sie tragen an jedem Samstag Werbeblätter mit beigelegten Anzeigen aus. Kurz bevor sie diesmal zum Austeilen losmarschiert sind, fragte ich meine Frau, warum das denn stets viel mehr Zeitungen wären, als wirklich verteilt werden müssen, ob wir nicht telefonisch bei der Werbefirma eine Rückmeldung geben können, damit sie künftig weniger Exemplare zustellen.

Darauf meine Frau: „Du weißt doch, wie das funktioniert.“ – Und so funktioniert es: Es werden mehr
Beilagen gedruckt – und Zeitungen – als verteilt werden, weil dann die Werbeeinnahmen steigen. Meine Jungs bekommen außerdem mehr Geld, weil sie mehr Zeitungen in Empfang nehmen, denn es werden nicht die tatsächlich verteilten Exemplare gezählt.

Die restlichen Zeitungen und Beilagen werden an jedem Montag dann brav zum Recycling gebracht, wo man mit dem erhöhten Volumen auch mehr verdient. Summa summarum ergibt das am Ende dann ein höheres Sozialprodukt.

Und so funktioniert das inzwischen fast überall – egal ob die 2,4 Millionen Jobs umfassende Asylindustrie (drei Mal so groß wie die deutsche Autoindustrie) mit Neuankömmlingen angeheizt wird, oder die Wirtschaft mit immer neuem, aus dem Nichts geschaffenen Geld.

Und so sieht dieser Effekt im Großen aus: Die monatlichen Jobzahlen aus den USA im März: 215.000 neue Stellen wurden geschaffen. Dank dem Wall Street Journal und anderen Mainstream-Blättern, die ihre Ohren ganz bevorzugt nach der Wall Street und der Regierung ausrichten, wissen wir, dass das ein „gesunder Zuwachs“ war.

Doch nur wer von dem Youtube-vergurkten Volk noch in der Lage ist, tiefer in Zeitungsberichte hinein zu lesen als bis in den ersten Absatz, der hat mitbekommen, dass die neue Monatsbilanz alles andere als „gesund“ aussieht.  Amerika hat im März reichlich Bartender dazu bekommen, dazu Bedienungen in Restaurants und mies bezahlte Verkäuferinnen in Supermärkten. Doch es sind 29.000 Industrie-Arbeitsplätze verloren gegangen.

Es gibt also immer weniger klassische Wertschöpfung und immer mehr Service-Jobs. Das ist in Amerika natürlich nichts Neues. Aber das Land bewegt sich immer weiter in einen Zustand, wo die letzten, die in
der Industrie noch magere Einkommen haben, mit dem Geld, das sie auf Pump ausgeben, immer mehr an der nächsten Bar trinken und in der Shopping-Mall ausgeben müssen, damit ihre Potemkin-Volkswirtschaft nicht noch schneller absäuft, als sie das jetzt schon tut.

Eine tolle Wirtschaft also, so wie unsere in Deutschland? Fragen Sie doch mal eine Kassiererin bei Aldi oder Lidl, wenn Sie beim nächsten Einkauf aus dem Supermarkt auschecken. Wenn Sie Glück haben, fliegt Ihnen nicht Ihre Einkaufstüte um die Ohren.

Unsere westlichen Volkswirtschaften gleichen Hohlraumgeschossen. Sie sind manipulierte Zombie-Veranstaltungen, in  denen Zuwächse aus dem Nichts kreiert, Satistiken skrupellos geschönt, die restliche Aktivität durch gedrucktes und dank Minizinsen nachgeworfenes Geld willkürlich herbeigeführt werden. Und die Schulden wachsen überall schneller als diese angebliche Wirtschaftsleistung.

Wenn die Mehrheit der Menschen mit geringen Einkommen diesen Zusammenhang verstehen würde, wäre Berlin in einem Belagerungszustand aufgebrachter Demonstranten. Doch die Geringverdiener sind zu sehr damit beschäftigt, genügend Geld heimzubringen, als dass sie sich auf in die Hauptstadt machen und demonstrieren könnten.

Doch selbst wenn sie es verstehen würden und die Zeit für Proteste hätten, wäre Deutschland noch längst nicht in Aufruhr. Denn die Zeitungen hierzulande sind ebenso wenig geneigt wie die US-Presse, den Leuten reinen Wein einzuschenken.

One thought on “Unser Leben in der Seifenblase

  • 2. April 2016 at 17:13
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    Das Leben in der Seifenblase kann nur stattfinden, weil wir es zulassen. Die breite Mehrheit bevorzugt nach wie vor das Dasein in der Komfortzone. Sich Gedanken über die Zukunft, vor Allem um die der der eigenen Nachkommenschaft, zu machen – Fehlanzeige.
    Solange die Blockparteien noch um die 80% der Wählerstimmen einsammeln können, solange das Volk gegen diesen Aberwitz nicht aufbegehrt, wird sich nichts ändern.
    Wie verlogen diese Politik ist, zeigt sich ganz aktuell an den Koalitionsverhandlungen. Es packt einen die Wut, wenn man sieht, wer sich da mit wem neuerdings ins Bett legt, obwohl es unsereinem schon vorher klar war! Den Otto N. scheint nicht zu stören…..

    Gruss
    Tom

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