Politik und Geldpuscher mit ihrem Latein am Ende

Flickr, Commons, Rodrigo De Filippis
Flickr, Commons, Rodrigo De Filippis

Wenn führende Notenbanker eine Lagebeurteilung abgeben, dann klingt das fast immer reichlich verquirlt. So auch beim jüngsten Auftritt von Fed-Chefin Janet Yellen vor dem Bankenausschuss des US-Senats. Die Frage, mit der sie konfrontiert wurde, lautete, ob als nächstes trotz der bereits begonnenen Zinswende nach oben doch wieder eine Senkung der Zinsen denkbar ist.

Antwort: „Ich habe nicht erwartet, dass eine konjunkturelle Abkühlung, die schwach genug wäre, um als nächstes eine Lockerung zu erzwingen, eine wahrscheinliche Möglichkeit sein könnte, und wir haben – muss ich sagen – bisher noch keine Veränderung im Ausblick gesehen, die das jetzt hoch wahrscheinlich machen könnte.“

Au weia – mein Beileid an alle, die beruflich die Lippen solcher Wortverbieger und Blendgranaten-Werfer lesen müssen.

Dabei kann es doch so einfach gehen. Denn Yellen gab bei genau jenem Auftritt vor dem Senat auch diese Aussage zu Protokoll (Interpretation überflüssig): „Die Geldpolitik hat keinen festgelegten Verlauf.“

Auf deutsch: Ich weiß ja, was Ihr meint mit dieser Frage, aber als Fed-Chefin kann ich nicht so leicht einknicken wie ein kleiner Parksünder vor einem 200-Pfund-Cop mit 65 Kragenweite und Halsschlagadern wie Gartenschläuchen. Also gebt mir etwas Zeit, bis ich die Wende der Wende verkünden kann.

Dass unsere politische Kaste Krisen nur noch vertagt und Geld darauf wirft, das haben wir ja längst verstanden – wenn auch nicht akzeptiert. Aber dass die Notenbanken angesichts der von ihnen selbst angezettelten Geldflut versagen und nicht mehr wissen, wie sie aus dem künstlich aufgeblähten Geld-Universum je wieder so viel heiße Luft ablassen können, dass wir zu halbwegs funktionierenden Märkten zurückkehren ohne dabei die Weltwirtschaft komplett an die Wand zu fahren, das muss uns schon ziemlich beunruhigen.

Denn die politische Kaste im Westen hat nach der Finanzkrise von 2008 den Geldpuschern der Notenbanken die Zwangsverwaltung der ungelösten Krise überlassen. Die Politiker selbst haben sich derweil dank Minizinsen dem ungebremsten Schuldenmachen gewidmet, einschließlich der Destablisierung ganzer Weltregionen wie dem Nahen Osten und dem Norden Afrikas.

Jetzt rächt sich das. Und zwar mit solcher Wucht – wie wir allein an dem Flüchtlingsstrom sehen – dass es in Amerika und Europa niemanden mehr zu geben scheint, der dem wachsenden Chaos aus galoppierenden Schulden und zunehmenden Krisenherden wie Syrien und Libyen Einhalt gebieten kann.

Sind die deijenigen, die das aufschreiben, Angstmacher? Nein, sie sind unangenehme Protokollanten. Man kann sie in die rechte Ecke stellen, oder endlich an einer Lösung arbeiten. Über die erste Variante scheint in Berlin und anderswo aber noch niemand hinausgekommen zu sein. Es regiert Ablenkung statt Aufarbeitung.

Also könnte Janet Yellen getrost den Kurs ihrer Geldpolitik festlegen: PermanenteMinizinsen. Dass sie sich nicht traut das zu sagen, zeigt uns, wie verzweifelt die Lage geworden ist.

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